Diese Studie basiert auf einer Recherche, die durch eine Diskussion am Silvesterabend angestoßen wurde. Darin behauptete eine junge Verwandte voller Überzeugung, dass die Bibel drei verschiedene Begriffe nutzt, die alle mit „Wein“ übersetzt werden – obwohl einer davon eigentlich alkoholfreien Traubensaft meint.

Auch wenn ich Alkoholkonsum nicht befürworte und selbst abstinent lebe, hat mich die Frage nach der Verfügbarkeit und Haltbarkeit von Traubensaft in biblischer Zeit stutzig gemacht.

Um dieser Behauptung auf den Grund zu gehen, habe ich mich intensiv mit den hebräischen und griechischen Urtexten sowie den historischen Lagerungsmethoden auseinandergesetzt. Die folgenden Ergebnisse meiner Studie zeigen, ob die These vom „alkoholfreien Wein“ einer wissenschaftlichen, historischen und archäologischen Prüfung standhält. Dabei geht es mir nicht um eine theologische Grundsatzdiskussion über Alkohol, sondern schlichtweg um die Frage: Was war zur Zeit Jesu technisch und kulturell überhaupt möglich?

Um die Vielfalt der Begriffe einzuordnen, hilft ein Blick auf den biologischen Reifegrad und den Verwendungszweck. Von der frischen Traube bis zum gereiften Edelwein zeigt sich: Die biblischen Sprachen unterscheiden feinste Nuancen. Dabei wird deutlich, dass die Heilige Schrift keine künstliche Trennung zwischen einem „moralisch guten Saft“ und einem „bösen Wein“ vornimmt, sondern das gesamte Spektrum des Weinbaus abbildet.

Legende zu den Quellenangaben: Damit Sie die sprachliche Herkunft der Begriffe in der Tabelle besser einordnen können, verwenden wir folgende Abkürzungen:

  • AT: Altes Testament (Originalsprache Hebräisch/Aramäisch).
  • LXX (Septuaginta): Die antike griechische Übersetzung des Alten Testaments (ca. 200 v. Chr.).
  • NT: Neues Testament (Originalsprache Griechisch).
  • LXX/NT: Dieser Begriff wird sowohl in der griechischen Übersetzung des AT als auch im NT verwendet.
BibelTraubeWein
Kategorie Zustand Hebräisch / Aramäisch (AT) Griechische Begriffe (LXX / NT)
I. Unvergoren Frisch gepresst / Frucht Mischrah, Asis, Dam Anabim Oinos (LXX/NT), Tryx (LXX)
II. In Gärung Junger Wein / Ernteprodukt Tirosch, Chemer / Chamar (Aram.) Gleukos (NT/LXX)
III. Vergoren Standardwein (Alltag) Jajin / Yayin Oinos (LXX/NT)
IV. Zubereitet Mischwein (verdünnt/gewürzt) Mimsak / Meseg Gennēma tēs ampelou (NT), Kerasma (LXX/NT)
V. Konzentriert Stark / Pur / Sauer Schekar, Sob’e, Chometz / Chadar (Aram.) Sikera (NT/LXX), Akratos (LXX/NT), Oxos (LXX/NT)
VI. Veredelt Edel / Lange gelagert Schemarim Oinos palaios (LXX/NT)
VII. Zweck Opferhandlung Nasek Sponde (LXX), Spendomai (NT-Verb)

Die heute weit verbreitete Annahme, dass beim biblischen Abendmahl ursprünglich Traubensaft verwendet wurde, ist historisch betrachtet eine recht junge Entwicklung. Diese Theorie entstand maßgeblich im 19. Jahrhundert im Zuge der US-amerikanischen Abstinenzbewegung (Temperance Movement).

Das Ziel der Abstinenzbewegung war es, die biblischen Berichte mit einer strengen Anti-Alkohol-Haltung in Einklang zu bringen und Jesus als Abstinenten darzustellen. In diesem Kontext begannen religiöse Gruppen, biblische Begriffe wie Oinos (Wein) umzuinterpretieren, um die historische Verwendung von Alkohol in der Bibel zu revidieren.

Ein entscheidender Wendepunkt markiert das Jahr 1864, in dem die Generalkonferenz der Methodisten (eine im 19. Jh. mitgliederstärksten protestantischen Kirche in den USA) festhielt:

„Die Verwendung von unvergorenem Wein beim Abendmahl wird dringend empfohlen.“

Prohibition

Da es zu dieser Zeit jedoch keine moderne Kühltechnik gab, war es praktisch ausgeschlossen, Traubensaft über Monate hinweg unvergoren zu lagern. Dies führte zu einer logistischen Krise in den Gemeinden.

Pastoren experimentierten verzweifelt mit Ersatzlösungen wie Sirup oder dem Einweichen von Rosinen, um für das Abendmahl eine alkoholfreie Alternative bereitstellen zu können.

Als gläubiger Methodist und Verfechter der Temperenzbewegung (Abstinenzbewegung) suchte Thomas Bramwell Welch nach einer Alternative zum alkoholhaltigen Abendmahlswein in seiner Kirche in Vineland, New Jersey. Obwohl Louis Pasteur seine Forschung zur Pasteurisierung bereits in den frühen 1860er Jahren veröffentlichte (ursprünglich, um das Verderben von Wein und Bier zu verhindern), war Welch der Erste, der dieses Prinzip auf alkoholfreien Fruchtsaft übertrug.

Diese Entwicklung war technisch nur möglich, weil sich im 19. Jahrhundert die Glasherstellung massiv weiterentwickelt hatte. Während Flaschen über Jahrtausende hinweg teure, mundgeblasene Unikate mit ungleichmäßigen Wandstärken waren, die bei Hitze oder leichtem Innendruck schnell barsten, ermöglichte die industrielle Revolution nun die Produktion von stabilen, druckresistenten Glasflaschen in großen Mengen. Ein entscheidender Faktor war hierbei die Einführung der Formblastechnik und später der ersten Halbautomaten (wie der von Howard Ashley 1886), die eine gleichmäßige Glasverteilung garantierten. Nur so konnten die Flaschen den thermischen Schock der Heißabfüllung und den inneren Druck während des Erhitzens unbeschadet überstehen.

Die entscheidende Neuerung war dabei der luftdichte Verschluss. Historisch gesehen war die Abdichtung das größte Hindernis: Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts variierten Flaschenmündungen erheblich. Die Standardisierung der Flaschenhälse erlaubte erstmals den Einsatz passgenauer Korken. Welch nutzte die damals modernste Methode: Er trieb hochwertige Naturkorken tief in den standardisierten Hals und versiegelte diese zusätzlich mit Siegellack oder Wachs. Dies war notwendig, da der moderne Kronkorken erst 1892 (durch William Painter) patentiert wurde. Die Wachsschicht diente als zusätzliche Barriere, um den Wiedereintritt von Hefesporen aus der Luft hermetisch zu verhindern, falls der Korken durch die Hitzeeinwirkung leicht schrumpfte.

Im Herbst 1869 erntete er Concord-Trauben in seinem Garten, presste sie aus und füllte den Saft in Glasflaschen. Um die Gärung dauerhaft zu stoppen, wurde der Saft erhitzt, um die Hefebakterien abzutöten, und anschließend heiß abgefüllt. Welch ging dabei wie folgt vor:

  • Industrieglas: Stabile, druckresistente Flaschen statt zerbrechlicher Unikate.
  • Heißabfüllung: Abtötung der Hefen durch Hitze (Pasteurisierung).
  • Hermetischer Verschluss: Passgenaue Korken und Wachsversiegelung dank standardisierter Flaschenhälse.

Der Saft gärte nicht zu Wein, sondern blieb „unfermented wine“, wie er ihn nannte. Dies markierte die Geburtsstunde der modernen Fruchtsaftindustrie und quasi die Geburtsstunde der modernen Saftflasche. Sein Produkt, das ursprünglich unter dem Namen „Dr. Welch’s Unfermented Wine“ vermarktet wurde, revolutionierte die kirchliche Praxis. Es ermöglichte den Gemeinden erstmals, flächendeckend auf alkoholhaltigen Wein zu verzichten und dennoch die Tradition des Abendmahls zu wahren.

Diese religiöse Ablehnung gipfelte in der Prohibition. Die gesetzliche Basis bildete der 18. Zusatzartikel zur US-Verfassung (ratifiziert 1919), dessen Ausgestaltung durch den Volstead Act erfolgte. Dieser legte den erlaubten Alkoholgehalt auf lediglich 0,5 % fest.

Drei wesentliche Faktoren trieben diese Gesetzgebung voran:

  • Religiöse Motive: Gruppen wie die Woman’s Christian Temperance Union bekämpften Alkohol als Wurzel für Armut und Gewalt.
  • Wirtschaftliche Interessen: Industrielle wie Henry Ford erhofften sich eine höhere Arbeitseffizienz ihrer Angestellten.
  • Nationalismus: Infolge des Ersten Weltkriegs richtete sich eine starke anti-deutsche Stimmung gegen die oft deutschstämmigen Brauereibesitzer.

Interessanterweise gab es eine Ausnahme für Messwein. Dies führte dazu, dass die Nachfrage nach Wein für das Abendmahl und den jüdischen Sabbat sprunghaft anstieg und oft missbraucht wurde.

Anstatt den Konsum zu eliminieren, begünstigte das Verbot illegale Strukturen. Das organisierte Verbrechen unter Anführern wie Al Capone erwirtschaftete durch Schmuggel und Speakeasies (Flüsterkneipen) Milliarden. Gleichzeitig stieg das Gesundheitsrisiko massiv an, da viele zu gefährlichem „Badewannen-Gin“ griffen – Tausende erblindeten oder starben an gepanschtem Alkohol.

Die Prohibition endete 1933 mit dem 21. Zusatzartikel. Ausschlaggebend für das Ende waren neben der offensichtlichen Unwirksamkeit vor allem die fehlenden Steuereinnahmen während der Weltwirtschaftskrise.

Die Marke Welch blieb bestehen. Da Traubensaft als „moralisch überlegene“ Alternative zum Wein etabliert worden war, wurde er zum Standard in vielen Haushalten und prägt das Bild von alkoholfreiem Fruchtsaft bis heute.

Ein häufiges Argument der Abstinenzbewegung war die Gleichsetzung von Gärung mit Fäulnis und somit mit Sünde. In der Logik des 19. Jahrhunderts wurde die Zersetzung durch Hefe als ein Prozess des Verderbens interpretiert, der die Reinheit des göttlichen Naturprodukts zerstöre.

Man zog hierbei eine Parallele zum biblischen Verbot von Sauerteig während der Passahwoche (Exodus 12), bei dem alles Fermentierte aus den Häusern entfernt werden musste, um die rituelle Reinheit zu wahren.

Während die Abstinenzbewegung sich fast nur auf die negativen Aspekte konzentrierte, nutzt die Bibel den Sauerteig (hebräisch Se’or oder Chametz; griechisch Zyme) in drei verschiedenen Kontexten:

  1. Das rituelle Verbot (Passah & Opfer) – Dies ist die Wurzel der Argumentation der Abstinenzbewegung.
    • Exodus 12,15: Gott befiehlt, während der sieben Tage des Passahfestes allen Sauerteig aus den Häusern zu entfernen. Wer Gesäuertes isst, soll aus dem Volk ausgeschlossen werden.
    • Levitikus 2,11: Bei Speiseopfern durfte kein Sauerteig verwendet werden, da er als Symbol für Gärung (und damit für Veränderung/Verderbnis) im rituellen Bereich verpönt war.
    • Symbolik: Hier steht die Reinheit und die Eile des Aufbruchs (ungesäuertes Brot ist schneller fertig) im Vordergrund.
  2. Das Warnbild für Sünde und Heuchelei:
    • Lukas 12,1: Jesus warnt seine Jünger: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher ist die Heuchelei.“
    • Matthäus 16,6-12: Hier warnt Jesus vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer, womit er ihre Lehre meinte, die die Herzen der Menschen ebenso durchdringt wie Hefe den Teig.
    • 1. Korinther 5,6: Hier mahnt Paulus zur moralischen Wachsamkeit mit der rhetorischen Frage: „Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?“ – ein Bild für den zerstörerischen Einfluss geduldeter Sünde innerhalb einer Gemeinschaft.
    • Galater 5,9: Mit fast identischem Wortlaut warnt er vor falschen Lehren: „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“ Dies verdeutlicht, dass bereits kleine Abweichungen von der Wahrheit die geistliche Freiheit einer ganzen Gemeinde korrumpieren können.
  3. Das Bild für das Reich Gottes – Das ist die wichtigste Stelle, um die einseitige Sicht der Abstinenzler zu entkräften. Jesus nutzt den Sauerteig nämlich auch als positives Gleichnis:
    • Matthäus 13,33 (und Lukas 13,20-21): „Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“
    • Bedeutung: Hier ist die Gärung ein Bild für die unaufhaltsame, lebensspendende Kraft Gottes, die alles verändert. Der Sauerteig ist hier das Instrument des Wachstums und der positiven Durchdringung.

Die biblische Sichtweise ist somit weitaus differenzierter als die der Abstinenzbewegung: Sie erkennt an, dass derselbe Prozess der Gärung – je nach Kontext – sowohl für Verderbnis als auch für göttliche Fülle und Veredelung stehen kann.

Dass Gott Prozesse wie Gärung und Fermentation nicht als minderwertig betrachtet, zeigt der Blick in die Natur. Durch diesen biologischen Wandel werden Naturprodukte veredelt und haltbar gemacht (wie Wein, Brot oder Sauerkraut), während gleichzeitig lebenswichtige Nährstoffe entstehen.

Der Kern dieses Wandels ist die alkoholische Gärung, bei der Hefepilze Zucker unter Ausschluss von Sauerstoff in Ethanol umwandeln. Diese natürliche Fermentation begegnet uns überall im Alltag, oft völlig unbemerkt:

  • Brot: Der entstehende Alkohol lockert den Hefeteig und verfliegt größtenteils beim Backen.
  • Reife Früchte: Bananen können von Natur aus bis zu 0,6 % vol. Alkohol enthalten.
  • Milchsäuregärung: Auch in Sauerkraut oder Kefir entstehen durch „wilde Hefen“ oft geringe Spuren von Alkohol (meist unter 0,5 % vol.).

Die Gärung erweist sich somit als ein universelles Prinzip der Natur, das weit über die gezielte Herstellung von Getränken hinausgeht.

Ein Meilenstein für die theologische Begründung der Abstinenzbewegung ist das 1989 erschienene Werk Wine in the Bible von Samuel Bacchiocchi. Als adventistischer Theologe verfolgte er das Ziel, die Ansicht zu widerlegen, die Bibel befürworte den moderaten Genuss von alkoholischem Wein. Sein Buch gilt heute als eines der einflussreichsten Werke für den biblisch begründeten Alkoholverzicht.

Die Quintessenz seiner Argumentation lässt sich in fünf Kernpunkten zusammenfassen:

Bacchiocchis Hauptargument basiert auf der sogenannten „Zwei-Wein-Theorie“. Er behauptet, dass die biblischen Begriffe für Wein – Jajin im Hebräischen und Oinos im Griechischen – wertneutrale Oberbegriffe seien, die sowohl vergorenen als auch unvergorenen Traubensaft bezeichnen können.

Dabei steht Bacchiocchi vor der Herausforderung, dass der Begriff Jajin im AT sehr häufig mit Trunkenheit assoziiert wird. Er löst diesen Konflikt durch eine konsequente Zweiteilung:

  • Der generische Begriff: Jajin sei ein Oberbegriff, der sowohl Saft als auch Wein umfassen kann.
  • Die positive Deutung: Wenn Jajin in der Bibel positiv erwähnt wird – wie in Psalm 104, wo der Wein „das Herz des Menschen erfreut“ – müsse es sich laut Bacchiocchi zwingend um Saft handeln.
  • Die negative Deutung: Nur wenn Jajin im Zusammenhang mit Sünde oder Schande steht – wie etwa bei der Trunkenheit Noahs –, sei alkoholischer Wein gemeint.

Bacchiocchi versucht hier, den Anteil der Stellen, an denen Oinos oder Jajin eindeutig unvergorenen Saft meint, theologisch massiv auszuweiten. Während die Sprachwissenschaft solche Belege als seltene Ausnahmen betrachtet (etwa 5 % der Vorkommen), macht Bacchiocchi daraus ein allgemeingültiges Prinzip.

Ein zentrales Beispiel für diese „5-Prozent-Ausnahme“ findet sich in der Septuaginta (Jesaja 65,8): „Wie wenn man noch Saft [Oinos] in der Traube findet…“ Da in der Beere kein Alkohol entsteht, ist dies für ihn ein klarer Beleg für alkoholfreien „Wein“. Die Sprachwissenschaft wertet dies jedoch nicht als Definition, sondern als Metonymie – ein rhetorisches Stilmittel, bei dem ein Begriff für das Endprodukt bereits auf den Rohstoff angewandt wird (vergleichbar damit, wenn man ein reifes Weizenfeld bereits als „unser Brot“ bezeichnet).

Die Annahme der Zwei-Wein-Theorie, wonach Begriffe wie Jajin wertneutral sowohl vergorenen Wein als auch unvergorenen Saft bezeichnen könnten, wird durch die Existenz des Fachbegriffs Mischrah hinfällig. Dieser Begriff für unvergorenen Traubensaft (bzw. das Einweichen von Trauben) taucht zwar nur ein einziges Mal in der gesamten Bibel auf (Numeri 6,3 in den Vorschriften für die Nasiräer), belegt jedoch eindrucksvoll, dass die Hebräer sehr wohl in der Lage waren, begrifflich präzise zwischen Wein und Saft zu unterscheiden.

Ein entscheidendes Indiz ergibt sich daraus für die biblische Symbolik: Dass für das Abendmahl oder in den zentralen Segenssprüchen niemals Mischrah, sondern konsequent Begriffe wie Jajin oder Tirosch verwendet werden, unterstreicht die gezielte Wahl eines vergorenen Getränks in diesen Kontexten.

Theologisch lehnt Bacchiocchi die Gärung kategorisch ab, da er in ihr einen Prozess des Verfalls und der Verwesung sieht. Er schlägt hier die Brücke zum jüdischen Passahfest mittels eines Sauerteig-Vergleichs: So wie alle Sauerteige (Chametz) aus den Häusern entfernt werden mussten, schließt er daraus, dass auch „gegorener“ Wein beim Abendmahl verboten gewesen sein muss. Er bezeichnet das Kelchgetränk Jesu daher konsequent als unvergorenen Saft. Dabei wird total ignoriert, dass Jesus selbst das Himmelreich mit dem Sauerteig vergleicht (Matthäus 13,33; Lukas 13,20-21).

Bacchiocchi widmet sich intensiv jenen Bibelstellen, die scheinbar für den Konsum von Alkohol sprechen. So argumentiert er beispielsweise, dass Jesus bei der Hochzeit zu Kana unmöglich über 500 Liter alkoholischen Wein produziert haben könne, da dies unweigerlich zur massiven Trunkenheit der Gäste geführt hätte. Der „gute Wein“, den der Speisemeister lobte, sei daher die reinste Form von Traubensaft gewesen. Auch die biblische Beschimpfung Jesu als „Weinsäufer“ sieht er lediglich als haltlose Verleumdung seiner Feinde an, die keinen Rückschluss auf seinen tatsächlichen Konsum zulasse.

Über die moralische Bewertung hinaus weist ein entscheidendes technisches Detail auf die Problematik dieser Umdeutung hin: das Gleichnis von den neuen Schläuchen (Matthäus 9,17). Historisch betrachtet waren neue Schläuche deshalb notwendig, weil sie noch die erforderliche Elastizität besaßen, um dem massiven Druck der Kohlensäure standzuhalten, der bei der natürlichen Gärung entsteht. In alte, spröde Lederhäute gefüllter „neuer Wein“ hätte diese durch die entstehenden Gase unweigerlich gesprengt.

Dass Jesus dieses Bild verwendet, setzt voraus, dass seine Zuhörer Wein als einen Stoff kannten, der aktiv gärt und Druck aufbaut – eine physikalische Reaktion, die bei reinem, unvergorenem Saft schlicht nicht auftritt. Bacchiocchi muss hier sehr komplexe Erklärungsmodelle bemühen, um dieses klare Bild der Fermentation als eine bloße Vorsichtsmaßnahme zur Schimmelvermeidung bei Saft umzudeuten.

Um seine Theorie zu stützen, versucht Bacchiocchi nachzuweisen, dass die Menschen in der Antike bereits in der Lage waren, Traubensaft das ganze Jahr über unvergoren zu halten. Er führt hierzu verschiedene Lagerungsmethoden ein, wie das Einkochen zu Sirup, das Filtern der Hefe oder die Kaltlagerung an. Sein Fazit lautet, dass alkoholfreier Saft in der Antike eine ständig verfügbare und sogar bevorzugte Option gewesen sei.

Das Werk endet mit einem moralischen Appell. Bacchiocchi vertritt die Ansicht, dass das biblische Prinzip der Nüchternheit und die Fürsorge für den Nächsten in einer modernen Welt voller Suchtprobleme nur durch totale Abstinenz erfüllt werden kann. Man dürfe niemanden durch das eigene Vorbild zum „Straucheln“ bringen.

Während Bacchiocchis Buch in konservativen und adventistischen Kreisen als Standardwerk gefeiert wird, betrachten es historische Sprachwissenschaftler und Archäologen äußerst kritisch.

Der Hauptvorwurf der Fachwelt lautet, Bacchiocchi betreibe Eisegese – er lese also seine bereits feststehende Meinung (Alkohol ist moralisch schlecht) in den Text hinein. Das Gegenteil davon wäre die Exegese, bei der man die Bedeutung unvoreingenommen aus dem Text herausarbeitet. Die Mehrheit der Experten bleibt dabei, dass das Wort Oinos in der antiken Welt ohne erklärenden Zusatz grundsätzlich immer als vergorener Wein verstanden wurde.

Auch im AT war Jajin immer Jajin – ein und dasselbe Getränk, das als Gottesgabe das Herz erfreuen kann, aber bei Missbrauch zur Zerstörung führt. Aus wissenschaftlicher Sicht liegt die ethische Verantwortung nicht bei der chemischen Zusammensetzung des Getränks, sondern beim Umgang des Menschen damit.

Die meisten Hebräisch-Experten und Sprachwissenschaftler widersprechen der Zweiteilung der Zwei-Wein-Theorie entschieden. Ihr Hauptargument lautet, dass die antike Sprache keine zwei unterschiedlichen Wörter für „guten“ (alkoholfreien) und „schlechten“ (alkoholhaltigen) Wein kannte. Die folgenden Werke gelten als Standardreferenzen in der biblischen Exegese und Sprachwissenschaft:

Das Standardwerk zur alttestamentlichen Begrifflichkeit Theological Dictionary of the Old Testament , herausgegeben von G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren, stellt dazu fest:

Jajin bezeichnet im Alten Testament ausnahmslos ein berauschendes Getränk… Es gibt keine sprachliche Grundlage für die Annahme, dass mit Jajin jemals unvergorener Traubensaft gemeint ist, es sei denn, der Kontext spezifiziert dies explizit als frisch gepressten Most.“

Robert P. Teachout hat in seiner Dissertation The Use of „Wine“ in the Old Testament jede einzelne Erwähnung von Wein im Alten Testament untersucht und kommt zu der Schlussfolgerung:

„Die Theorie, dass es zwei Arten von Wein gäbe – einen vergorenen und einen unvergorenen –, hält einer philologischen Untersuchung nicht stand. Der Versuch, biblische Warnungen vor Wein nur auf die vergorene Variante zu beziehen, während Lobpreisungen dem Saft gelten, ist eine künstliche Trennung, die der hebräischen Sprache fremd ist.“

Ein weiteres Standardwerk für evangelikale und konservative Theologie, das The New Bible Dictionary, besagt laut F. S. Fitzsimmonds:

„Es gibt keinen Beweis dafür, dass Jajin oder Oinos jemals als Bezeichnungen für unvergorenen Traubensaft verwendet wurden. Wein war in der biblischen Welt ein fermentiertes Getränk. Die moralische Unterscheidung liegt in der Bibel nie im Stoff selbst, sondern im Maß des Gebrauchs.“

Williamson setzt sich in seinem Buch Wine in the Bible and the Church direkt mit der Abstinenzbewegung und Bacchiocchi auseinander:

„Die Bibel kennt nur eine Sorte Wein, und diese Sorte ist berauschend, wenn sie im Übermaß getrunken wird. Wenn Gott den Wein als Gabe preist, preist er denselben Wein, vor dessen Missbrauch er an anderer Stelle warnt. Die Gabe ist gut, der Missbrauch ist Sünde.“

Ein entscheidendes Argument für die Verwendung von Wein beim Abendmahl liegt in der zeitlichen Einordnung. Das Passahfest findet im Frühjahr statt (Monat Nisan), was meist in den März oder April fällt.

Das bedeutet, dass zwischen der Weinernte (August und September) und dem Abendmahl etwa 6 bis 7 Monate lagen. Um eine Gärung zu verhindern, hätte man eine Amphore über Monate in einem kühlen Brunnen versenken müssen. Da weder biblische Berichte noch archäologische Funde in Israel Hinweise auf solch komplexe Konservierungsverfahren liefern und die Amphoren-Kühlung ohnehin einem kleinen Kreis der römischen Elite im fernen Italien vorbehalten war, ist davon auszugehen, dass vergorener Wein die alltägliche und sichere Realität beim Abendmahl darstellte. Er war das einzige Produkt, das ohne modernen technischen Aufwand über Monate haltbar blieb.

Interessanterweise verwendet Jesus bei Matthäus, Markus und Lukas nicht das alltägliche Wort Oinos (Wein), sondern die feierliche Umschreibung: „Das Gewächs des Weinstocks“ (griechisch: gennēma tēs ampelou).

Was für moderne Leser nach Saft klingen mag, ist historisch das exakte Gegenteil. Es handelt sich um die direkte Übersetzung des hebräischen Segensspruchs „Peri Ha-Gafen“. In jedem jüdischen Haushalt wurde – und wird bis heute – beim Passahfest gebetet:

„Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, König der Welt, der Du die Frucht des Weinstocks erschaffst.“

Die jüdische Überlieferung der Mischna (Traktat Berachot 6,1) definiert präzise, dass dieser spezifische Segen ausschließlich über echtem, vergorenem Wein gesprochen werden darf (der rituell mit Wasser gemischt wurde). Unvergorener Traubensaft galt in der religiösen Praxis des zweiten Tempels nicht als das festwürdige Getränk, das für die rituellen vier Becher des Passah-Mahls (Mischna Pessachim 10,1) vorgesehen war.

Den wohl stärksten Beleg liefert der Apostel Paulus im ersten Brief an die Korinther. Er mahnt die Gemeinde wegen Unordnung beim Abendmahl in 1. Korinther 11,21:

„Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.“

Diese Ermahnung wäre hinfällig, wenn im Kelch lediglich Traubensaft gereicht worden wäre.

Warum wurde ein berauschendes Getränk als Symbol für das sündlose Blut Jesu gewählt? Die Antwort liegt in der antiken Gedankenwelt:

  • Verantwortung und Würde: Die Gefahr des Missbrauchs (Rausch) fügt eine moralische Ebene hinzu. Der Umgang mit dem Wein erfordert Ehrfurcht und Selbstbeherrschung, so wie das Abendmahl „würdig“ empfangen werden soll (1. Korinther 11,27-29).
  • Sitz des Lebens: Blut gilt als „Sitz des Lebens“ (Levitikus 17,11). Wein wurde wegen seiner Farbe und belebenden Wirkung als „Blut der Trauben“ bezeichnet (Genesis 49,11). Er erfreut das Herz (Psalm 104,15) und symbolisiert die rettende Kraft Jesu.
  • Reinigung und Reinheit: In der Antike war Alkohol das wichtigste Desinfektionsmittel. Da Wasserquellen oft belastet waren, galt Wein als das „reine“ Getränk. Das Blut Jesu reinigt theologisch von Schuld – der Wein versinnbildlicht dieses reine Leben.
  • Transformation durch Leiden: Wein entsteht durch das Pressen und Zermalmen der Trauben – ein kraftvolles Bild für das Leiden Jesu (ähnlich der Bedeutung von Gethsemane als „Ölpresse“). Während ungeschützter Saft schnell verdirbt, ist Wein haltbar und symbolisiert so den Sieg des Lebens über die Vergänglichkeit und den Verfall.
  • Messianische Freude: Ein Fest ohne Wein galt in der jüdischen Kultur nicht als echtes Fest. Wein drückt die Freude über den Sieg über den Tod aus, die durch Saft symbolisch kaum in dieser Tiefe abgebildet werden könnte. Schon der Prophet Jesaja beschreibt das kommende Reich Gottes als ein Festmahl mit „bestem, gereiftem Wein“ (hebr. Schemarim, Jesaja 25,6). Der Wein im Abendmahlskelch ist somit nicht nur ein Rückblick auf das Leiden, sondern auch ein Vorgeschmack auf die ewige Freude bei der Wiederkunft Christi.

Dass Jesus tatsächlich Wein trank, belegen die Evangelien durch die Worte seiner eigenen Kritiker. In Matthäus 11,18-19 (und Lukas 7,34) wird überliefert, wie Jesus den Kontrast zwischen sich und Johannes dem Täufer beschreibt:

„Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht […] Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; und sie sagen: Siehe, wie ist dieser Mensch ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und Sünder Freund!“

Das mit „Weinsäufer“ übersetzte Wort Oinopotēs (οἰνοπότης) ist eine spöttische Bezeichnung, die sich aus oinos (Wein) und potes (Trinker) zusammensetzt.

Historisch gesehen offenbart diese Beschimpfung den starken Gegensatz zum Lebensstil des Täufers. Während Johannes als radikaler Asket in der Wüste lebte und konsequent auf Wein verzichtete, nahm Jesus aktiv an Festmählern teil.

Hätte Jesus lediglich Traubensaft getrunken, wäre die Kritik seiner Gegner ins Leere gelaufen. Der Vorwurf zeigt jedoch, dass Jesus sich ganz bewusst nicht von der alltäglichen Lebenswelt seiner Mitmenschen distanzierte. Er mied den Wein nicht, der bei festlichen Anlässen ganz selbstverständlich dazugehörte. In dieser Offenheit für das gesellschaftliche Leben lag die eigentliche Provokation für seine Kritiker: Während Johannes der Täufer die Frömmigkeit durch strengen Verzicht in der Einsamkeit lebte, suchte Jesus die Gemeinschaft an den Tischen der Menschen und feierte mit ihnen die Freude des Lebens.

In der antiken Welt war das gemeinsame Weintrinken ein Symbol für Segen. Der Skandal für die religiöse Elite lag jedoch im unterstellten fehlenden Maß:

  • Fresser (griechisch: phagos)
  • Weinsäufer (griechisch: oinopotēs)

Damit unterstellten ihm seine Gegner einen Mangel an Selbstbeherrschung (griechisch: Enkrateia), die damals als höchste Tugend eines Lehrers galt. Besonders provozierte, dass Jesus diese Tischgemeinschaft mit sozialen Außenseitern wie Zöllnern und Sündern pflegte – ein Ort der Gnade, der den Pharisäern als Ort der Unreinheit galt.

Hinter der Beleidigung steckte weit mehr als bloßer Spott; es war eine gefährliche juristische Anspielung auf das Alte Testament. In Deuteronomium 21,20 wird das Urteil über einen „störrischen und ungehorsamen Sohn“ beschrieben:

„… und sie sollen zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist störrisch und ungehorsam und hört nicht auf unsere Stimme und ist ein Schlemmer und Säufer.“

Auf ein solches Verhalten stand nach dem mosaischen Gesetz die Todesstrafe. Indem seine Gegner exakt diese Begriffe wählten, brandmarkten sie Jesus indirekt als einen Unruhestifter, der das Urteil des Gesetzes verdient.

Für Jesus war sein Lebensstil ein Statement. Er verglich das Reich Gottes oft mit einem großen Hochzeitsmahl. Er feierte die Befreiung bereits im Hier und Jetzt – sehr zum Ärger derer, die darin eine Provokation sahen.

Jesus reagierte souverän: „Und doch hat die Weisheit recht bekommen durch ihre Werke“ (Matthäus 11,19). Er lenkte den Blick weg von den Essgewohnheiten hin zu den Früchten seines Wirkens: Heilung, Veränderung und Versöhnung.

Die Geschichte des Weins ist tief in der antiken Medizin und Kultur verwurzelt. Schon vor fast 2.000 Jahren setzten sich Gelehrte intensiv mit der Wirkung des Rebensaftes auseinander.

Bereits im 5. Jh. v. Chr. erkannte Hippokrates von Kos, dass Wein weit mehr als ein Getränk ist. Er war der Erste, der Wein systematisch in den Diätplan von Kranken integrierte und ihn als Trägersubstanz für Heilkräuter nutzte. Nach Hippokrates half Wein dabei, die Körperwärme zu regulieren und die vier Körpersäfte ins Gleichgewicht zu bringen: Sanguis (Blut), Phlegma (Schleim), Chole (gelbe Galle) und Melanchole (schwarze Galle).

Er verschrieb spezifische Weine als Beruhigungsmittel, zur Förderung des Schlafs oder als harntreibendes Mittel. In Über die Lebensweise bei akuten Krankheiten schreibt er:

MedizienerWein

„Wein ist ein Ding, das in wunderbarer Weise dem Menschen angepasst ist, vorausgesetzt, dass er bei guter und schlechter Gesundheit sinnvoll und in rechtem Maße verabreicht wird.“

Hippokrates verwendet für Wein den Begriff Oinos, unterscheidet aber oft zwischen Oinos melas (dunkler Wein), Oinos leukos (weißer Wein) und Oinos glykys (süßer Wein), je nach medizinischer Indikation.

Im 1. Jh. n. Chr. verfasste der griechische Arzt Dioskurides mit seinem Werk De Materia Medica das Standardwerk der Medizin, das über 1.500 Jahre lang Bestand hatte. Er unterschied dabei präzise zwischen den verschiedenen Stufen der Traubenverarbeitung:

Gleukos (Most): Vor dem unfertigen Most sprach er eine deutliche Warnung aus, da sich dieser noch im Prozess der Gärung befindet:

„Der Most ist schwer verdaulich, verursacht Blähungen und stört den Magen.“

Oinos (Wein): Dioskurides schätzte die wärmende und belebende Kraft des Weins. Besonders bemerkenswert: Er empfahl Wein zur Reinigung von Wunden, besonders Oinos austeros (οἶνος αὐστηρός) – einen herben, trockenen Wein, da dieser aufgrund des höheren Gerbstoffgehalts besser zusammenziehend wirkte. Damit erkannte er bereits intuitiv die antiseptische Wirkung des Alkohols:

„Man verwendet ihn zur Reinigung von Geschwüren… da er die Fäulnis verhindert.“

Dioskurides Hinweis zur Reinigung von Wunden mit Wein widerspiegelt genau, was der barmherzige Samariter (Lukas 10,34) tut: „…und goss Öl und Wein darauf“. Das zeigt, dass das biblische Gleichnis medizinisch auf dem neuesten Stand der damaligen Zeit war!

Im 2. Jh. n. Chr. verfeinerte Galenos, der Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel, die medizinische Weinkunde. Er betrachtete Wein als das vielseitigste Werkzeug eines Arztes. Galen ging so weit, Weine nach dem Alter des Patienten zu verschreiben: So empfahl er alten Menschen Wein, um die „Kälte des Alters“ zu vertreiben und den Körper wieder zu erwärmen. Sein Leitsatz verdeutlicht die Ambivalenz des Getränks:

„Wein ist die beste Nahrung, das beste Medikament und das beste Gift.“

Marcus Porcius Cato auch bekannt als Cato der Ältere (Cato Maior) lebte von 234 bis 149 v. Chr. Er war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Römischen Republik. Sein Werk De Agri Cultura ist das älteste erhaltene lateinische Prosawerk. Hier beschreibt er den Weinbau aus einer rein praktischen und wirtschaftlichen Perspektive.

Besonders interessant ist seine Erwähnung von Lora (Tresterwein). Lora war ein Billigwein, der aus den ausgepressten Traubenschalen und Wasser gewonnen wurde. Es war das Standardgetränk für Sklaven und Arbeiter. Dies zeigt deutlich, dass Wein in verschiedenen Qualitätsstufen ein allgegenwärtiges Grundnahrungsmittel der antiken Gesellschaft war und nicht nur ein Luxusgut.

HistorikerWein

Obwohl es ein jüdischer Text ist, spiegelt er den Geist der hellenistischen Welt wider und passt perfekt in eine Sammlung antiker Weisheiten. Es enthält eine der schönsten und zugleich eindringlichsten Mahnungen zum Thema Wein. Er wird als Lebenselixier gefeiert, das jedoch bei Missbrauch seine Segen verliert.

  • (Sirach 31,27-28): „Der Wein (Oinos) ist für die Menschen wie das Leben, wenn man ihn mäßig trinkt. […] Wein zur rechten Zeit und maßvoll getrunken, ist eine Lust für das Herz und eine Freude für die Seele.“

Um 200 n. Chr. hielt der Gelehrte Athenaios in seinem berühmten Werk Deipnosophistae (Das Gastmahl der Gelehrten) fest, wie schmal der Grat zwischen Wohltat und Verderben ist. Er zitierte alte Quellen mit einer zeitlosen Mahnung:

„Der Gott Dionysos hat den Wein als größte Wohltat für diejenigen offenbart, die ihn vernünftig gebrauchen; für diejenigen aber, die ihn maßlos trinken, als Zerstörung.“

Athenaios nutzt ebenfalls Oinos, spricht aber oft im Kontext des Symposions (das gemeinsame Trinken), bei dem der Wein meist als Kekramenos (gemischter Wein, also mit Wasser verdünnt) getrunken wurde. Pur trinken galt als barbarisch.

1. Jh. n. Chr. schuf der römische Gelehrte Plinius der Ältere mit seiner Naturgeschichte (Naturalis historia, in Latein) eine gewaltige Enzyklopädie des antiken Wissens. Er beschrieb über 90 Rebsorten und unterschied zwischen Vinum generosum (Edelwein/Spitzenwein) (wie dem berühmten Falerner) und einfachem Landwein Vinum vulgare (gewöhnlicher Wein).

Plinius mahnte in Buch 14, dass Wein zwar die Wahrheit ans Licht bringt, den Genießer jedoch auch zu Disziplin und Mäßigung verpflichtet:

„Im Wein liegt die Wahrheit (In vino veritas) … aber auch die Wurzel für Ausschweifung, wenn das Maß verloren geht.“ „Es gibt keinen Teil des Körpers, der nicht durch den Wein gefährdet wird […] der Geist wird gestört, die Augen werden trübe, die Schritte unsicher.“

Sein berühmter Ausspruch lautet im Original:

„In vino veritas, in aqua sanitas“ (Im Wein ist Wahrheit, im Wasser ist Gesundheit).

In der Antike war es technisch nicht möglich, Traubensaft unvergoren zu lagern. Ohne die moderne Pasteurisierung (entdeckt im 19. Jh.) und ohne Kühlung ließ sich die Gärung nicht stoppen. Sobald die Trauben gepresst waren, setzten natürliche Hefen den Prozess sofort in Gang – der Saft wurde unweigerlich zu Wein oder Essig.

Um dieses empfindliche Naturprodukt dennoch über lange Zeit haltbar zu machen und vor dem Verderben zu schützen, nutzte man spezialisierte Lagerungsmöglichkeiten:

AmphoreTrauben

In der römischen und griechischen Antike wurde Traubenmost oft eingekocht. Das Ergebnis hatte sogar eigene Namen:

  • Defrutum: Auf die Hälfte oder ein Drittel eingekochter Most.
  • Sapa: Ein noch stärker konzentrierter, dicker Sirup.

Der Haken: Das war kein Getränk, das man wie Saft aus dem Glas trank. Es war ein extrem süßes, zähflüssiges Konzentrat, das eher wie Honig oder Melasse war. Man nutzte es zum Kochen, zum Süßen von Speisen oder um sauren Wein wieder genießbar zu machen.

SirupKochen

Theoretisch könnte man diesen Sirup mit Wasser verdünnen, um wieder ein alkoholfreies Getränk zu erhalten. Manche gehen davon aus, dass dies an manchen Stellen der Bibel, z. B. beim neuen Wein (gleukos) der Fall war.

Es gibt jedoch gewichtige Gegenargumente:

  • Wirtschaftlichkeit: Das Einkochen über Stunden erforderte riesige Mengen an Brennholz, das in Palästina oft knapp und teuer war. Die natürliche Gärung zu Wein hingegen kostet nichts – man lässt die Natur einfach ihre Arbeit machen.
  • Geschmack: Eingekochter und wieder verdünnter Saft schmeckt sehr anders als frischer Saft; er hat ein gekochtes, karamellartiges Aroma.
  • Religiöse Praxis: Beim jüdischen Passahmahl, dem Vorbild des Abendmahls, war vergorener Wein die klare Tradition. Die Mischna, eine jüdische Schrift, diskutiert zwar gekochten Wein, sieht ihn aber als Ausnahme oder Spezialfall an.

Plinius der Ältere beschreibt auch das Einkochen von Most, Sapa und Defrutum, erwähnt aber ausdrücklich, dass dies getan wurde, um Wein zu süßen oder haltbar zu machen, und nicht, um ein alkoholfreies Alltagsgetränk zu kreieren:

„Mustum usque ad tertiam partem mensurae decoctum, quod defrutum vocatur … “ (Naturalis Historia, Buch 14, Kap 11) Most, der bis auf ein Drittel seines Maßes eingekocht wurde, nennt man Defrutum …

Und weiter erklärt er den Zweck dieser Prozedur:

„Quoniam vinum aliud alio magis eget, ad dulcedinem emendandam sapa vel defruto … “ (Kap 24) Da ein Wein mehr Pflege braucht als ein anderer, verwendet man Sapa oder Defrutum, um die Süße zu verbessern [eigentlich: die mangelnde Süße zu korrigieren].

Neben dem Einkochen gab es eine weitere, fast modern anmutende Methode zur Haltbarmachung, die vor allem von römischen Autoren wie Cato, Plinius und Columella detailliert beschrieben wurde. Diese Methode nutzte das Prinzip der Temperaturkontrolle: Da Hefepilze unterhalb von ca. 10–15 °C ihre Arbeit einstellen, lässt sich die Gärung durch Kälte stoppen.

Der Agrar-Schriftsteller Lucius Iunius Moderatus Columella (1. Jh. n. Chr.) beschreibt dieses Verfahren in seinem Werk De Re Rustica (12.29) als den Weg, um „Most immer so süß zu erhalten, als wäre er frisch“ („Quemadmodum mustum semper dulce tamquam recens sit“):

Amphorenkuehlung

„Bevor die Trester unter die Kelter kommen, nimm den aller frischesten Most aus dem Becken und fülle ihn in eine neue Amphore. Versiegle sie sorgfältig und bestreiche sie mit Pech, damit kein Wasser eindringen kann. Dann versenke die ganze Amphore in ein Becken mit kaltem Süßwasser, sodass kein Teil davon herausragt. Nach vierzig Tagen nimm sie wieder heraus. So wird er ein ganzes Jahr lang süß bleiben.“

Dieses Zitat gilt als zentrales Argument für Theologen wie Samuele Bacchiocchi (Wine in the Bible). Er nutzt es als historischen Beweis dafür, dass es in der Antike technisch möglich war, Traubensaft über lange Zeit alkoholfrei zu halten.

Doch die Theorie scheitert oft an der antiken Praxis: Obwohl Autoren wie Columella komplexe Kühlmethoden beschreiben, blieb die gezielte Temperaturkontrolle ein extremer Luxus der reichsten römischen Elite. Diese Technik war ein aufwendiges Verfahren: Amphoren wurden in kaltes Wasser getaucht und in tiefen, nach Norden ausgerichteten Kellern gelagert. Solche Verfahren blieben auf die begünstigten Regionen Latiums (Viterbo bis Süd-Rom) und Kampaniens (Capua, Pompeji, Venafrum) beschränkt – Regionen, die Columella in seinem Hauptwerk De Re Rustica (vgl. 1.1.1; 1.2; 5.8) darlegt als die Referenzgebiete für höchste landwirtschaftliche Standards beschreibt. Nur dort existierten die baulichen und logistischen Voraussetzungen für eine so präzise Temperaturkontrolle.

Für die Alltagskultur des biblischen Nahen Ostens war es technisch und wirtschaftlich unmöglich, unvergorenen Saft ganzjährig als Massenware verfügbar zu haben:

  • Instabilität: Ohne moderne Pasteurisierung war unvergorener Saft extrem anfällig. Sobald die Amphore aus der Kühlung geholt wurde, setzte die Gärung innerhalb von Stunden wieder ein.
  • Klimatische Hürden: Der Zugang zu dauerhaft tiefkaltem Wasser (unter 10 °C) war in den warmen Regionen Judäas und Galiläas, wo die Grundwassertemperatur bereits bei über 15–18 °C liegt, kaum realisierbar.
  • Fehlende Infrastruktur: In Israel wurden zwar tausende antike Weinpressen entdeckt, jedoch fehlt jede archäologische Spur der speziellen Kühl-Becken, die Columella für diese Methode vorschreibt.

In der römischen und griechischen Antike wurde Traubenmost oft eingekocht. Dies war die eleganteste, aber auch aufwendigste Methode der Antike. Die Winzer verfügten zwar über kein mikrobiologisches Wissen, verstanden jedoch empirisch, dass die Hefe im Bodensatz (faex) die Gärung vorantreibt.

Um diesen Prozess zu verhindern, wurde der frisch gepresste Most immer wieder durch dicke Stoffbeutel oder engmaschige Leinentücher – den sogenannten Saccus – gegossen. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturalis Historia (14.19), dass man dem Wein auf diese Weise seine „Kraft“ (die Gärfähigkeit) entzog. Um die Wirkung zu verstärken, wurde dieser Beutel oft mit Schnee oder Eis gefüllt (daher der Name Saccatio cum nive), was den Saft während des Filterns extrem kühlte und die verbliebenen Hefezellen zusätzlich inaktivierte.

WeinFiltration

Das Ergebnis war ein klarer, sehr süßer Saft, der als Adunatos (griechisch für „kraftlos“) bekannt war. Auch Plutarch erwähnt in seinen Symposiaka, dass dieser gefilterte Wein seinen „Geist“ verloren hatte und dadurch süß blieb. Bei kühler Lagerung war dieser mechanisch gereinigte Saft wesentlich länger haltbar als ungefilterter Most, da die Bestandteile, die die Gärung einleiten, weitestgehend entfernt worden waren.

Samuele Bacchiocchi greift diese antiken Quellen (Plinius und Plutarch) auf, um zu zeigen, dass „guter Wein“ in der Antike oft gerade derjenige war, dem man durch Filtration die Gärfähigkeit entzogen hatte.

Der Wein der antiken Welt ist nicht mit hochprozentigen Spirituosen wie Whiskey oder Wodka zu vergleichen. In der Regel besaß er einen natürlichen Alkoholgehalt von 8 % bis 12 %. Um ihn als sicheres Alltagsgetränk nutzbar zu machen – besonders da Wasserquellen oft verunreinigt waren –, wurde er fast immer mit Wasser verdünnt.

In der Antike war es sowohl bei den Juden als auch bei den Griechen und Römern absolut üblich, Wein zu mischen. Ein gängiges Verhältnis war dabei ein Teil Wein auf drei Teile Wasser. Wein pur zu trinken, galt in dieser Zeit als Zeichen von Maßlosigkeit oder gar als „barbarisch“.

Es wird vermutet, dass die Weinmischung beim Abendmahl einen Alkoholgehalt von etwa 3 % bis 5 % aufwies, was heute mit einem leichten Bier vergleichbar wäre. Der Wein war somit zwar alkoholisch, wurde jedoch in einer Weise konsumiert, die die Gemeinschaft und einen klaren Geist förderte, statt einen Rausch zu provozieren.

Der griechische Historiker und Philosoph Plutarch (ca. 45–125 n. Chr.) liefert uns in seinem Werk Quaestiones Conviviales (Tischgespräche) wertvolle Einblicke:

„Wir nennen das Getränk ‚Wein‘ (Oinos), wenn es mit Wasser gemischt ist; ungemischter Wein ist zu stark für den täglichen Gebrauch.“ (Plutarch, Quaestiones Conviviales, Buch III, 9)

Plutarch erläutert zudem die verschiedenen Mischverhältnisse und deren Zweck:

„Man nennt eine Mischung ‚fünf‘, wenn drei Teile Wasser mit zwei Teilen Wein vermischt werden; man nennt sie ‚drei‘, wenn drei Teile Wasser mit einen Teil Wein vermischt werden. […] Die Mischung von drei zu eins ist für Männer gedacht, die sich in ernsten Gesprächen befinden oder sich mit Regierungsgeschäften befassen; sie dämpft den Wein so sehr, dass er den Verstand nicht überwältigt.“ (Plutarch, Quaestiones Conviviales, Buch III, 9)

Diese Diskussionen über Mischverhältnisse verdeutlichen, dass es sich um Wein und nicht um reinen Traubensaft handelte, da man Saft nicht hätte „dämpfen“ müssen.

Das Letzte Abendmahl Jesu war ein Passahmahl (Seder). In der jüdischen Tradition ist es bis heute vorgeschrieben, während dieses Festes vier Becher Wein zu trinken, welche die vier Verheißungen Gottes an das Volk Israel symbolisieren. Es gibt keine historischen Belege dafür, dass in der Antike beim Passah jemals Saft verwendet wurde; Wein war das festgeschriebene Element der Freude und Befreiung.

Die Verpflichtung zum Weingenuss galt für die gesamte Gemeinschaft, wie im Talmud festgehalten ist:

„Es wird ausdrücklich betont, dass auch Frauen verpflichtet sind, die ‚Freude des Festes‘ zu erleben.“ (Babylonischer Talmud, Traktat Pesachim 108b)

Um sicherzustellen, dass Frauen und Kinder durch die vier Becher nicht berauscht wurden, empfahlen die Rabbiner einen sehr hohen Wasseranteil. Alternativ wurde „milder Wein“, mit Honig gesüßter Wein oder „gekochter Wein“ (Jajin Mevushal) verwendet, der süßer war und eine andere Gärstruktur aufwies.

Unter „Einweichwasser“ versteht man eine Flüssigkeit, die entsteht, wenn getrocknete Trauben (Rosinen) oder frische, leicht angestoßene Früchte in Wasser eingelegt werden. Durch diesen Prozess gehen der natürliche Fruchtzucker und die Aromen in das Wasser über.

Im jüdischem Religionsgesetz (Halacha) wird diskutiert, ob man die rituellen Becher beim Passahfest auch mit Rosinenwein erfüllen kann, falls kein frischer Wein verfügbar ist. So wird im Babylonischen Talmud, Traktat Bava Batra 97b, festgehalten, dass Wein, der aus eingeweichten Rosinen gewonnen wurde, für religiöse Zeremonien (wie den Kiddusch oder das Passahfest) zulässig ist. Dieser Rosinenwein galt jedoch rechtlich als „Wein“, da er durch das Einweichen und Stehenlassen oft eine natürliche (wenn auch leichte) Gärung durchlief.

Die Römer kannten ein sehr ähnliches Getränk namens Passum. Hierfür wurden Trauben fast zu Rosinen getrocknet und dann in Wasser oder Most eingeweicht, um einen besonders süßen, schweren Wein zu erzeugen. Columella beschreibt in seinem Werk De Re Rustica detailliert die Herstellung:

„Für den Rosinenwein (Passum) lässt man die Trauben an der Sonne trocknen, weicht sie in gutem Most oder Wasser ein und presst sie dann aus.“ (Columella, De Re Rustica, Buch XII, 39)

Das Einweichwasser wurde in der Antike dennoch als eine Form von „Wein“ betrachtet, da der hohe Zuckergehalt der Rosinen bei den warmen Temperaturen sehr schnell eine Gärung einleitete.

Begriff Hebräisch Vorkommen Typische Bedeutung
Jajin יַיִן 141-mal Allgemeiner Oberbegriff für Wein (vergoren, berauschend).
Tirosch תִּירוֹשׁ 38-mal Neuer Wein / Most (Ernteprodukt, das bereits gären kann).
Schekar שֵׁכָר 23-mal Starkes Getränk (aus Datteln, Getreide; „starker Trank“).
Chemer / Chamar חֶמֶר / חֲמַר 8-mal „Schäumender“ Wein (hebräisch/aramäisch; betont die Gärung).
Schemarim שְׁמָרִים 4-mal Hefenwein / Gelagerter Wein (hochwertig, gereift).
Asis עָסִיס 5-mal Süßwein (frisch aus der Kelter gepresst, erste Pressung).
Mimsak / Mezeg מִמְסָךְ / מֶזֶג 4-mal Mischwein / Trank (mit Gewürzen oder Wasser veredelt).
Sob’e סֹבֶא 3-mal Schwerer Wein / Zechwein (meist im Kontext von Exzess).
Dam Anabim דַּם עֲנָבִים 2-mal Poetisch: „Blut der Trauben“ (betont Farbe und Lebenskraft).
Chometz חֹמֶץ 6-mal Essig / Sauerwein (entsteht durch zu lange Gärung).
Nasek נֶסֶךְ 65-mal Das Trankopfer (die rituelle Darbringung von Wein vor Gott).
Mischrah מִשְׁרָה 1-mal Einziger Begriff für reinen Traubensaft / Einweichwasser.

Das Alte Testament verwendet für Wein verschiedene hebräische Begriffe, die wertvolle inhaltliche Aufschlüsse geben. Die hier aufgeführten Definitionen folgen dem Standardwerk von Gesenius (18. Aufl.) sowie dem Wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex).

Die statistischen Angaben basieren auf der Konkordanz von Abraham Even-Shoshan, ergänzt durch das System der Strong-Konkordanz.

WeinanbauAntike

Dies ist das am häufigsten verwendete Wort für Wein im Alten Testament (141-mal). Es ist der allgemeine Begriff, der die gesamte Bandbreite des vergorenen Rebensaftes abdeckt.

  • Etymologie: Das Wort leitet sich vermutlich von einer Wurzel ab, die „gären“ oder „wallen“ bedeutet, was den chemischen Prozess der Weinwerdung direkt im Namen trägt.
  • Bedeutung: Es beschreibt eindeutig vergorenen, berauschenden Wein. Es gibt im gesamten Alten Testament keine Stelle, an der Jajin zweifelsfrei als unvergorener Saft identifiziert werden kann.
  • Biblischer Befund: Die berauschende Wirkung wird in zahlreichen Berichten explizit erwähnt, wie beispielsweise bei Noah (Genesis 9,21) oder Lot (Genesis 19,32–35). In beiden Fällen führt der Konsum von Jajin zur Trunkenheit, was jeden Zweifel an seinem Alkoholgehalt ausräumt.
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Das Wort Jajin (hebräisch יַיִן) ist der am häufigsten verwendeter Begriff für Wein im AT und kommt 141-mal vor. In manchen alten Abschriften (Manuskripten) steht an einer Stelle Jajin, während in einer anderen Abschrift ein verwandtes Wort wie Schekar (starkes Getränk) steht.

1. Jajin im Kontext von Trunkenheit: Diese Verse beweisen, dass Jajin berauschende Wirkung hatte.

  • Genesis 9,21: „Und da er [Noah] von dem Wein (Jajin) trank, ward er trunken und lag in seinem Zelt aufgedeckt.“ Das ist die erste Erwähnung von Wein in der Bibel.
  • 1. Samuel 25,36: Nabal feierte ein Fest, und „sein Herz war guter Dinge, denn er war sehr trunken“, nachdem er Jajin getrunken hatte.
  • Jesaja 28,7: „Denn auch diese sind vom Wein (Jajin) taumelig geworden und schwanken von starkem Getränk.“

2. Jajin als Segen und Zeichen der Freude: Obwohl vor Missbrauch gewarnt wird, gilt Jajin oft als gute Gabe Gottes.

  • Genesis 14,18: „Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein (Jajin) heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten.“
  • Psalm 104,14-15: „Gott lässt Gras wachsen … „und dass der Wein (Jajin) erfreue des Menschen Herz.“
  • Prediger 9,7: „So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein (Jajin) mit gutem Mut; denn dein Werk gefällt Gott.“
  • Amos 9,14: Die Verheißung der Wiederherstellung: „Sie sollen Weinberge pflanzen und Wein (Jajin) davon trinken.“

3. Jajin in rituellen und rechtlichen Vorschriften

  • Exodus 29,40: Als Trankopfer für das tägliche Opfer im Heiligtum war ein Viertel Hin Wein (Jajin) vorgeschrieben.
  • Levitikus 10,9: Gott befiehlt den Priestern: Wein (Jajin) und starkes Getränk sollst du nicht trinken … wenn ihr in die Stiftshütte geht, damit ihr nicht sterbt.“ Dies diente der klaren Urteilskraft während des Dienstes.
  • Numeri 6,3: Das Gesetz für die Nasiräer: „Er soll sich des Weines (Jajin)  und starken Getränks enthalten.“

4. Warnungen vor Jajin in der Weisheitsliteratur

  • Sprüche 20,1: „Der Wein (Jajin) ist ein Spötter, das starke Getränk macht wild; wer davon taumelt, wird nimmer weise.“
  • Sprüche 23,31: „Sieh den Wein (Jajin) nicht an, wie er so rot ist … er beißt zuletzt wie eine Schlange.“

5. Jajin als Handelsgut und Vorrat

  • 2. Chronik 2,9: Salomo verspricht dem König Hiram von Tyrus riesige Mengen an Weizen, Gerste, Wein (Jajin) und Öl als Bezahlung für die Tempelbaustoffe.
  • Nehemia 13,15: Nehemia sieht, wie die Leute am Sabbat Weinberge keltern und Wein (Jajin) auf Eseln in die Stadt bringen – ein Zeichen für wirtschaftliches Treiben.

6. Jajin als Metapher für Leid und Zorn oder Gericht

  • Psalm 60,5: „Du hast deinem Volk Hartes begegnet; du hast uns getränkt mit einem Wein (Jajin), dass wir taumelten.“ Gottes Zorn wird oft als Becher voll Wein dargestellt.
  • Jeremia 25,15: „Nimm diesen Becher voll Wein (Jajin) des Grimms aus meiner Hand und tränke daraus alle Völker…“

7. Jajin in der Liebe (Hohelied): Hier wird Wein als höchster Genuss verwendet.

  • Hohelied 1,2: „Deine Liebe ist köstlicher als Wein (Jajin).“
  • Hohelied 8,2: „Ich wollte dich tränken mit gewürztem Wein (Jajin) und mit dem Saft meiner Granatäpfel.“

Die statistische Verteilung von Jajin im AT nach der Hebräischen Konkordanz

Literaturgattung Vorkommen Hauptkontexte
Pentateuch 26-mal Gesetze, Opfervorschriften, Ursprung der Landwirtschaft.
Geschichtsbücher 35-mal Gastmähler, Kriegsvorbereitung, Diplomatie und Alltag.
Weisheitsliteratur 25-mal Ethische Warnungen, Lobpreis der Schöpfung und Erotik.
Propheten 55-mal Metaphern für das Gericht Gottes, Segen im Friedensreich.

Die Standard-Zählung der Hebraica (die wissenschaftliche Bibelausgabe) kommt auf eine Anzahl von 141 der Wortvorkommen im hebräischen Urtext des Alten Testaments. Wenn man zählt, in wie vielen einzelnen Versen das Wort Jajin mindestens einmal vorkommt, landet man bei 134 Versen. Es gibt 7 Verse in der Bibel, in denen das Wort Jajin doppelt vorkommt:

  • Numeri 6,3: In den Vorschriften für die Nasiräer (Enthaltung von Wein und Wein-Essig).
  • Richter 13,4: Die Anweisung an Simsons Mutter (kein Wein und kein starkes Getränk).
  • Richter 13,14: Wiederholung der Anweisung für Simsons Mutter.
  • Samuel 1,15: Hanna erklärt Eli, dass sie weder Wein noch starkes Getränk getrunken hat.
  • Jesaja 5,22: Das Wehe über die „Helden im Weintrinken“.
  • Jeremia 23,9: Jeremia beschreibt sich selbst „wie ein Mann, den der Wein überwältigt hat“ .
  • Sprüche 21,17: Die Warnung, dass wer Wein und Öl liebt, nicht reich wird.

Von den 141 Stellen beziehen sich ca. 50- bis 60-mal direkt auf Situationen, in denen das Getränk berauscht, wegen der Trunkenheit verboten ist oder als Genussmittel bei Festen dient. Es gibt keine einzige Stelle, an der ausdrücklich steht: „Dieser Jajin ist alkoholfrei“.

Eine Besonderheit ist Joel 1,5. Hier gibt es zwar keine direkte Wort-Wiederholung von Jajin, aber eine funktionale Dopplung durch ein Synonym: „Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint! Heult, alle, die ihr Wein (Jajin) trinkt, um den Süßwein (Asis); denn er ist euch von eurem Mund weggenommen!“ Hier wird der normale Wein dem ganz frischen, süßen Wein gegenübergestellt, um den totalen Verlust der Ernte zu betonen.

Dieser Begriff wird oft mit „Most“ oder „junger Wein“ übersetzt und beschreibt den Wein meist im Kontext der Ernte und des Segens.

  • Etymologie: Die Herkunft ist nicht ganz eindeutig; oft wird sie mit der Wurzel yarash („besitzen“, „erben“) in Verbindung gebracht, was den Wein als wertvollen Besitz darstellt.
  • Bedeutung: Er bezeichnet den frisch gekelterten Wein der aktuellen Saison. In der Argumentation der „Zwei-Wein-Theorie“ wird oft behauptet, es handele sich hierbei um reinen, alkoholfreien Saft.
  • Biblischer Befund: Die Bibel selbst widerlegt die rein alkoholfreie Deutung. In Hosea 4,11 wird Tirosh zusammen mit gereiftem Wein (Jajin) genannt und es heißt explizit, dass beide „den Verstand rauben“. Dies weist unmissverständlich darauf hin, dass auch der „junge Wein“ bereits einen Gärprozess durchlaufen hatte und berauschend wirken konnte.
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Tirosch (hebräisch תִּירוֹשׁ) leitet sich von einer Wurzel ab, die „Besitz“ oder „Erbe“ bedeutet (jarasch). Es beschreibt den Wein als ein landwirtschaftliches Erzeugnis. Er wird oft als „Most“, „neuer Wein“ oder „Erntewein“ übersetzt. Im Gegensatz zu Jajin (dem fertigen Getränk im Krug) beschreibt Tirosch meistens den Wein in seinem Rohzustand:

  • Der Saft, der noch in der Traube ist.
  • Der frisch gepresste Saft in der Kelter.
  • Der junge Wein, der gerade erst in die Lagergefäße gefüllt wurde.

Hier sind markante Stellen, unterteilt nach ihrer Bedeutung im Kontext:

1. Als Teil der Ernte (Segen): In den meisten Fällen (über 30-mal) wird Tirosch zusammen mit Getreide und Öl genannt. Es ist die „Frucht des Feldes“.

  • Deuteronomium 11,14: „… dass du einsammelst dein Getreide, deinen Wein (Tirosch) und dein Öl.“

2. Der Wein in der Traube

  • Jesaja 65,8: „Wie wenn man noch Saft (Tirosch) in der Traube findet…“

3. Die berauschende Wirkung von Tirosch: Es gibt eine Stelle, die zeigt, dass auch Tirosch den Verstand beeinflussen kann.

  • Hosea 4,11: „Hurerei, Wein (Jajin) und neuer Wein (Tirosch) nehmen den Verstand weg.“

Tirosch kommt im AT insgesamt 38-mal vor. Ein entscheidendes Merkmal von Tirosch ist, dass es fast immer in der sogenannten „Trias des Segens“ auftaucht: Korn, Wein (Tirosch) und Öl. Diese drei Produkte stellten die Lebensgrundlage im antiken Israel dar.

Literaturgattung Vorkommen Bedeutung
Pentateuch 11-mal Meist im Kontext von Gottes Verheißungen für das Land (z. B. Deuteronomium 7,13).
Geschichtsbücher 11-mal Oft im Zusammenhang mit dem Zehnten für die Leviten (z. B. Nehemia 10,38).
Propheten 14-mal Symbol für Segen oder das Entziehen des Segens bei Ungehorsam (z. B. Hosea 2,10).
Weisheitslit. 2-mal In Sprüche 3,10 und Psalm 4,8.

In deutschen Bibeln wird dies oft mit „starkes Getränk“ oder in der Lutherbibel (bis Rev. 1912) mit „Trank“ wiedergegeben.

  • Etymologie: Das Wort stammt von der Wurzel schakar, was „trinken, bis man berauscht ist“ oder „trunken sein“ bedeutet.
  • Bedeutung: Shekar bezeichnet oft Getränke, die nicht aus Trauben, sondern aus Datteln, Honig oder Getreide (Bier) hergestellt wurden.
  • Biblischer Kontext: Meistens taucht es im Doppelpack mit Wein auf: „Wein und starkes Getränk“ (Jajin ve-Schekar).
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Im Gegensatz zu Wein (Jajin), der immer aus Trauben besteht, bezeichnet Schekar (שֵׁכָר) berauschende Getränke aus anderen Quellen: Datteln, Feigen, Honig (Met) oder Getreide (Bier).

Das Wort kommt Schekar im AT insgesamt 23-mal vor. In 21 dieser 23 Fälle erscheint es direkt zusammen mit dem Wort Jajin (Wein). Die Kombination „Wein und starkes Getränk“ ist eine feste Redewendung für alle Arten von Rauschmitteln.

Wichtige Verwendungsstellen

1. Das Verbot für Priester und Nasiräer: Gott verlangt für bestimmte heilige Dienste volle Nüchternheit:

  • Levitikus 10,9: „Wein (Jajin) und starkes Getränk (Schekar) sollst du nicht trinken … wenn ihr in die Stiftshütte geht.“
  • Numeri 6,3: Der Nasiräer „soll sich des Weines und starken Getränks enthalten“.

2. Als heiliges Opfer: Hier befiehlt Gott , ihm Schekar als Trankopfer auf das tägliche Brandopfer auszugießen.

  • Numeri 28,7 ELB: „… im Heiligtum sollst du als Trankopfer Rauschtrank für den HERRN spenden.“

3. Als zulässiges Genussmittel: Es gibt eine oft übersehene Stelle, in der Gott den Kauf von Schekar für ein Festmahl ausdrücklich erlaubt:

  • Deuteronomium 14,26: Dort heißt es über das Geld für den Zehnten: „… gib es aus für alles, was dein Herz begehrt, für Rinder, Schafe, Wein (Jajin), starkes Getränk (Schekar) … und iss dort vor dem Herrn, deinem Gott, und sei fröhlich.“

4. In der Weisheitsliteratur

  • Sprüche 31,6: „Gebt starkes Getränk (Schekar) denen, die am Umkommen sind, und den Wein den betrübten Seelen.“ Hier als medizinisches Betäubungsmittel.
  • Sprüche 20,1: „Der Wein ist ein Spötter, das starke Getränk (Schekar) macht wild.“
Literaturgattung Vorkommen Hauptkontext
Pentateuch 7-mal Trankopfer (Num 28,7), Festgetränk (Deut 14,26) und Abstinenzgesetze (z. B. Priester, Nasiräer).
Geschichtsbücher 1-mal Die Geschichte von Hanna (1. Sam 1,15).
Weisheitsliteratur 3-mal Warnungen vor den Folgen des Rausches (Spr 20,1; 31,4.6).
Propheten 12-mal Meist im Kontext von Gericht und dem Versagen der Leiter.

Dieser Begriff beschreibt den Wein nicht über seine Herkunft, sondern über seine Beschaffenheit.

  • Etymologie: Das Wort leitet sich von der Wurzel chamar ab, was „schäumen“, „gären“ oder „wallen“ bedeutet.
  • Bedeutung: Er wird oft in poetischen Texten als Synonym für starken, unverdünnten Wein verwendet.
  • Biblisches Beispiel: In Deuteronomium 32,14 heißt es: „…und das Blut der Traube trankst du als feurigen Wein.“
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Das Wort beschreibt den Wein nach seiner Farbe (rot) oder nach dem Prozess der Gärung (schäumend/wallend).

Chemer, der „feurige Rote“, ist ein poetisches Wort für Wein, das seine Lebendigkeit und Kraft betont. Während die aramäischen Stellen (Esra/Daniel) den Wein eher sachlich oder im Kontext von Missbrauch (Belsazar) beschreiben, nutzen die hebräischen Stellen das Wort als Symbol für kostbaren Segen.

Der Begriff kommt im AT insgesamt 8-mal vor, wobei man zwischen dem hebräischen Urtext und den aramäischen Teilen (Esra und Daniel) unterscheiden muss.

Die hebräischen Stellen:

  • Deuteronomium 32,14: In einem Loblied auf Gottes Fürsorge heißt es: „… und das Blut der Traube trankst du als feurigen Wein (Chemer).“ Dies beschreibt den Wein als edles, kräftiges Naturprodukt.
  • Jesaja 27,2: „An jenem Tage wird man singen von dem Weinberg, der feurigen Wein (Chemer) gibt.“ Hier ist es ein Bild für die Freude im kommenden Reich Gottes.

Die aramäischen Stellen:

  • Esra 6,9 & 7,22: In den Erlassen der persischen Könige (Darius und Artaxerxes) wird angeordnet, dass den Priestern in Jerusalem unter anderem Wein (Chemar) für die Opfer geliefert werden soll.
  • Daniel 5,1.2.4.23: Beim berüchtigten Gastmahl des Königs Belsazar. Er und seine Großen tranken Wein (Chemar) aus den goldenen Gefäßen des Tempels und wurden berauscht.
Sprache Vorkommen Typische Verwendung
Hebräisch 2-mal In poetischen Texten (Deuteronomium, Jesaja).
Aramäisch 6-mal In offiziellen Dokumenten und Erzählungen (Esra, Daniel).

In deutschen Bibeln wird dies meist mit „Hefen“, „Hefenweine“ oder poetisch mit „gereinigter, alter Wein“ wiedergegeben.

  • Etymologie: Das Wort leitet sich von der Wurzel shamar ab, was „bewahren, aufbewahren, hüten“ bedeutet. Dies deutet auf einen Wein hin, den man lange „hütet“ oder ruhen lässt, damit er reifen kann.
  • Bedeutung: Schemarim bezeichnet technisch gesehen den Bodensatz (die Hefe), der bei der Gärung entsteht. In der biblischen Bildsprache steht es jedoch für einen hochwertigen, lange gelagerten Wein, der durch das lange Stehen auf der Hefe an Aroma, Farbe und Klarheit gewonnen hat (nachdem er vor dem Trinken gefiltert wurde).
  • Kontext: Der bekannteste Beleg findet sich in Jesaja 25,6, wo Gott ein Festmahl für alle Völker verheißt – mit „fetten Speisen und reinem, altem Wein“ (Schemarim). Hier ist der Wein ein Symbol für Gottes wertvollste Gaben und höchste Qualität.
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Der Begriff Schemarim (שְׁמָרִים) wird je nach Kontext entweder als der edle, gereifte Wein oder als der bittere Bodensatz (die Hefe) übersetzt.

Das Wort Asis kommt im AT insgesamt nur 4-mal vor:

  • Jesaja 25,6 (Der edle Festwein): Gott bereitet ein Festmahl mit „gereinigtem, altem Wein“. Hier steht der Begriff positiv für höchste Qualität und die Fülle des Reiches Gottes.
  • Psalm 75,9 (Der bittere Bodensatz): Die Gottlosen müssen den Becher des Zorns Gottes bis zur „Hefe“ austrinken. Hier symbolisiert das Wort das bittere Gericht Gottes.
  • Jeremia 48,11 (Das Bild der Stagnation): Das Volk Moab blieb „auf seinen Hefen“ liegen, ohne geläutert (umgefüllt) zu werden. Ein Symbol für geistigen Hochmut und fehlende Veränderung.
  • Zefanja 1,12 (Die Warnung vor Gleichgültigkeit): Gott straft die Menschen, die „auf ihren Hefen hocken“. Dies ist eine Metapher für Trägheit und den Glauben, Gott würde nicht eingreifen.

Ein spezifischer Begriff, der sich vom Standardwort Jajin unterscheidet.

  • Etymologie: Er leitet sich von der Wurzel asas („zertreten“ oder „zerquetschen“) ab.
  • Bedeutung: Er bezeichnet meist den ganz frischen, süßen Saft der ersten Pressung.
  • Besonderheit: Da keine Kühlung existierte, begann jedoch auch dieser Saft sehr schnell zu gären.

Einer der seltensten und negativsten Begriffe für Wein im Alten Testament.

  • Etymologie: Die Wurzel saba bedeutet „zechen“ oder „schwelgen“.
  • Bedeutung: Der Begriff beschreibt weniger das Getränk an sich als vielmehr den Vorgang des exzessiven Trinkens.
  • Kontext: Während Jajin oder Tirosch oft neutral oder positiv besetzt sind, steht Sob’e fast immer im Kontext von Verfall, Exzess oder Wertverlust.
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Sob’e (סֹבֶא) – „Zechwein“ oder „Dickwein“ beschreibt entweder einen Wein, der durch Einkochen dickflüssig gemacht wurde (Sirup), oder ein Getränk, das in großen Mengen bei Gelagen konsumiert wird. Die Verbindung zur Wurzel „zechen“ ist zu stark, um Sob’e als harmlosen Sirup zu sehen. Es ist der Wein derer, die das Maß verloren haben und beschreibt den Wein als Suchtmittel.

Das Wort kommt insgesamt nur 3-mal vor. Jede dieser Stellen hat eine sehr spezifische, meist metaphorische Bedeutung.

  • 1. Jesaja 1,22 –Der verwässerte Wein: „Dein Silber ist zur Schlacke geworden, dein Wein (Sob’e) mit Wasser vermischt.“ Dies ist die bekannteste Stelle. Gott klagt über die moralische Korruption Jerusalems. Er vergleicht die Anführer mit Silber, das nur noch Schlacke ist, und mit Sob’e, der mit Wasser verdünnt wurde.
  • 2. Hosea 4,18 –Das Ende des Gelages „Ist ihr Zechen (Sob’e) vorbei, so treiben sie Hurerei…“. Hier beschreibt der Prophet den moralischen Niedergang der Priester und Anführer. Sobald der Rausch (Sob’e) nachlässt, wenden sie sich anderen Sünden zu. Das Wort wird hier fast synonym für eine Sauferei verwendet.
  • 3. Nahum 1,10 – Das göttliche Gericht „…und wie die, die ihr Zechgelage (Sob’e) halten, werden sie verzehrt werden wie dürre Stoppeln.“ Nahum prophezeit den Untergang von Ninive. Die Feinde Gottes fühlen sich sicher in ihren Trinkgelagen, aber sie werden wie Stroh verbrennen. Die Dopplung im Hebräischen deutet darauf hin, dass sie „völlig durchtränkt“ von ihrem Wein sind und deshalb umso leichter Feuer fangen (metaphorisch).

Diese Begriffe beziehen sich auf eine ganz besondere Form des Weinkonsums in der Antike: den Mischwein. Beide Wörter stammen von Wurzeln, die „mischen“, „einschenken“ oder „würzen“ bedeuten.

  • Mimsak: Bezieht sich auf das Mischgetränk, das speziell für festliche Anlässe oder kultische Trankopfer vorbereitet wurde. Dem Wein wurden Gewürze, Kräuter, Honig oder Myrrhe hinzugefügt wurden, um ihn stärker, aromatischer oder berauschender zu machen.
  • Mezeg: Bezieht sich eher auf das Mischverhältnis, oft das Mischen von Wein mit Wasser, wie es in der antiken Welt üblich war, um den Wein trinkbar und weniger aggressiv zu machen.
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Mimsak / Mezeg (מִמְסָךְ/ מֶזֶג) – „Mischwein“

Diese Begriffe kommen im AT nur 3-mal vor.

  • Sprüche 23,30 –Die Warnung vor dem „starken Zeug“: „Wo ist Weh? Wo ist Leid? … Bei denen, die hocken beim Wein und suchen, was eingeschenkt (Mimsak) ist.“ In diesem berühmten Kapitel über die Gefahren des Alkohols wird der Mimsak negativ besetzt. Es beschreibt Menschen, die nicht nur normalen Wein trinken, sondern gezielt nach dem „gemischten“ Wein suchen. In der Antike wurden Weine oft mit Wermut, Myrrhe oder Mandragora (Alraune) versetzt, um die berauschende Wirkung massiv zu steigern. Solche Mischungen galten als gefährlich und führten schnell zum Kontrollverlust.
  • Hohelied 7,3 – Das Bild der Fülle: „Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem es nie an Mischwein (Mezeg) mangelt.“ Hier wird Mezeg völlig anders verwendet: als Kompliment und Bild für Genuss und Fruchtbarkeit. Der „runde Becher, dem es nie an Mischwein mangelt“, steht für Gastfreundschaft und Erquickung. Hier ist der Mischwein etwas Positives – wahrscheinlich Wein, der nach griechischer oder orientalischer Sitte mit Wasser und vielleicht Honig perfekt für ein Festmahl abgestimmt wurde.
  • Jesaja 65,11 –Der Götzendienst: Gott tadelt die, die den Götzen „Gad“ und „Meni“ ein Trankopfer (Mimsak) mischen. Hier geht es um religiösen Missbrauch. Das Mischen von Wein war ein fester Bestandteil heidnischer Rituale (Libationen). Die Israeliten, die vom Glauben abfielen, mischten diesen speziellen Wein für fremde Götter.

Das Mischen mit Wasser (wie im Hohelied angedeutet) war das Zeichen eines zivilisierten Menschen. Nur „Barbaren“ tranken Wein unverdünnt. Das Mischen mit Gewürzen hingegen diente dazu, den Wein zu einem „Edel-Drink“ oder einem starken Rauschmittel zu machen.

Das ist ein bildhafter, poetischer Begriff und bedeutet Wörtlich übersetzt der Begriff „Blut der Trauben“.

  • Etymologie: Er setzt sich zusammen aus Dam (Blut) und Anabim (Trauben).
  • Bedeutung: Der Begriff beschreibt den roten Saft, der beim Keltern aus der Beere hervorbricht.
  • Kontext: Dam Anabim wird für die Fülle des Segens verwendet, um den Überfluss an Fruchtbarkeit zu beschreiben.
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Dam Anabim bezeichnet den Wein in seinem unverfälschten Zustand, direkt aus der Frucht, bevor er verarbeitet oder verdünnt wird, um die Reinheit, die Farbe und die Kraft des Weins in seiner ursprünglichsten Form zu beschreiben. Diese Begriffe kommen im AT nur 2-mal vor:

  • Genesis 49,11 (Segen Jakobs über Juda): „Er bindet sein Füllen an den Weinstock und seiner Eselin Junges an die edle Rebe. Er wäscht sein Kleid in Wein und seinen Mantel im Blut der Trauben (Dam Anabim).“ Hier steht der Begriff für einen so gigantischen Überfluss an Wein, dass man seine Kleidung darin waschen könnte – ein Bild für den Wohlstand des Stammes Juda und den künftigen Messias. Der Begriff hat Messianische Symbolik, es wird als Hinweis auf die königliche Fülle und später im Christentum auf das Blut Christi gedeutet.
  • Deuteronomium 32,14 (Das Lied des Mose): „… mit dem Fett von Lämmern und Widdern […] und du trankst das Blut der Traube (Dam Anabim), den feurigen Wein.“ Hier wird das Trinken des „Blutes der Traube“ als höchster Genuss des Volkes Gottes beschrieben – es ist die „Lebenskraft“ der Erde.

Chometz ist ein funktionaler Begriff des Alltags. Er beschreibt Wein, der seine chemische Beschaffenheit durch Oxidation verändert hat – entweder als Nebenprodukt oder als bewusst hergestelltes Würzmittel.

  • Etymologie: Die hebräische Wurzel chametz bedeutet „sauer sein“ oder „gegoren sein“ (daher auch der Begriff für Gesäuertes/Sauerteig während des Passahfestes).
  • Bedeutung: Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Essig“ oder „Saurer Wein“.
  • Besonderheit: In den Psalmen wird das Reichen von Essig (Chometz) als Akt der Grausamkeit gegenüber einem Leidenden beschrieben. Dies findet seine Parallele im NT, als Jesus am Kreuz saurer Wein (Oxos) gereicht wird.
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Chometz bezeichnet zum einen das typische Getränk der einfachen Leute – einen mit Wasser verdünnten, sauren Wein (ähnlich der römischen Posca), der den Arbeitern auf dem Feld als Durstlöscher diente (z. B. Rut 2,14). Zum anderen beschreibt der Begriff Wein im ungenießbaren Endstadium, der durch falsche Lagerung ‚gekippt‘ und damit als Genussmittel wertlos geworden ist (z. B. Psalm 69,22).

Der Begriff kommt im AT 6-mal vor:

  • Numeri 6,3 (2-mal): In den Vorschriften für Nasiräer. Sie durften weder den Essig von Wein (Chometz Jajin) noch den Essig von starkem Getränk (Chometz Schekar) trinken.
  • Rut 2,14: Boas lädt Rut ein, ihr Brot in den Essig (Chometz) zu tauchen – hier als erfrischende Beilage für Erntearbeiter.
  • Psalm 69,22: Ein Klagepsalm, in dem der Leidende sagt: „… und in meinem Durst gaben sie mir Essig (Chometz) zu trinken.“ (Die prophetische Vorlage für die Kreuzigung Jesu).
  • Sprüche 10,26: Ein Sprichwort über die Faulheit: „Wie der Essig (Chometz) den Zähnen und der Rauch den Augen tut, so tut der Faule denen, die ihn senden.“
  • Sprüche 25,20: Ein Bild für Unpassendes: „Wer einem traurigen Herzen Lieder singt, das ist wie […] Essig (Chometz) auf Natron.“

Nasek ist ein rein funktionaler Begriff des Heiligtums. Er beschreibt den Wein nicht nach seinem Geschmack oder Alter, sondern nach seiner Bestimmung als Opfergabe. In der LXX wird er fast ausnahmslos mit Spondē übersetzt.

  • Etymologie: Er leitet sich von der Wurzel nasak ab, was „ausgießen“ oder „ausleeren“ bedeutet.
  • Bedeutung: Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Trankopfer“ oder „Gussopfer“.
  • Kontext: Der Begriff wird verwendet für das tägliche Opfer im Tempel.
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Die meisten Belegstellen für Nasek finden sich in den Büchern Exodus und Numeri, da dort die detaillierte Gottesdienstordnung Israels festgelegt wird. Bei den Propheten (insbesondere Jesaja und Jeremia) taucht der Begriff ebenfalls häufig auf, dort jedoch meist im Kontext der Kritik am Götzendienst.

Hier sind die drei Hauptkontexte, in denen Nasek im Alten Testament verwendet wird:

  • Die Warnung vor Götzendienst (Religiöser Verrat): In den prophetischen Büchern wird der Begriff oft negativ verwendet, wenn das Volk Israel fremden Göttern Trankopfer darbringt. In diesem Zusammenhang steht Nasek für den Bruch des Bundes mit Gott und die Verehrung falscher Autoritäten „…um der Himmelskönigin Kuchen zu backen und anderen Göttern Trankopfer (Nasek) auszugießen, um mich zu kränken.“ (Jeremia 7,18; Psalm 16,4).
  • Der reguläre Tempelkult (Das tägliche Opfer): Das Trankopfer war kein optionaler Zusatz, sondern ein fester Bestandteil des beständigen Morgen- und Abendopfers (Tamid). Es wurde als notwendige Ergänzung zu Fleisch- und Speisopfern dargebracht, um das Opfer vor Gott zu vervollständigen „…und als Trankopfer (Nasek) ein Viertel Hin Wein für das eine Lamm.“ (Exodus 29,40; Numeri 28,7).
  • Besondere Anlässe und Gelübde (Hingabe): Bei der Einweihung von Priestern, großen Festen oder der Erfüllung freiwilliger Gelübde wurde das Nasek als Zeichen höchster Dankbarkeit und besonderer Freude hinzugefügt. Hier symbolisiert das vollständige Ausgießen des Weins die totale Hingabe des Gläubigen „…und er soll als Trankopfer (Nasek) ein halbes Hin Wein darbringen, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den Herrn.“ (Numeri 15,10).

Dieser Begriff für „Traubensaft“ oder „Einweichwasser“ ist das einzige Wort, das eindeutig und ausschließlich einen alkoholfreien Zustand beschreibt.

  • Kontext: In den Vorschriften für die Nasiräer. Ihnen war es untersagt, Wein (Jajin), starkes Getränk (Schekar), Essig und explizit auch diesen „Traubensaft“ (Mischrah) zu trinken.
  • Besonderheit: Er taucht nur ein einziges Mal in der gesamten Bibel auf (Numeri 6,3).
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Das Verbot von Mischrah (Traubensaft) in Numeri 6,3 ist eine theologische Ausnahme, keine allgemeine Regel. Es dient als ein „Zaun um das Gesetz“ (Sjeg la-Tora):

  • Logischer Umkehrschluss: Dieses explizite Sonderverbot für Nasiräer beweist, dass für alle anderen Israeliten – und auch für die Priester außerhalb ihres Dienstes – der Konsum von Traubensaft (sofern verfügbar) völlig unbedenklich war. Hätte das Wort Jajin (Wein) ohnehin schon Saft mit eingeschlossen, wäre die zusätzliche Erwähnung von Mischrah in den Nasiräer-Gesetzen völlig überflüssig gewesen.
  • Abstufung der Enthaltsamkeit: Während der normale Israelit Wein (Jajin) als Segen Gottes genießen durfte, übte der Nasiräer Verzicht. Doch Gott ging beim Nasiräer noch einen Schritt weiter: Er untersagte ihm sogar den unvergorenen Saft (Mischrah) und sogar die Kerne und Schalen der Traube.
  • Der Grund: Dies geschah nicht, weil Saft berauschend oder „schlecht“ war, sondern um jede bloße Möglichkeit eines Versehens auszuschließen. Wer keine Trauben isst und keinen Saft trinkt, kann niemals Gefahr laufen, versehentlich Wein zu trinken, der bereits zu gären begonnen hat.
Zusätzlich zu den im NT verwendeten Begriffen finden sich in der Septuaginta (LXX) für das AT folgende zwei Begriffe:

Tryx ist im Griechischen ein „Phasen-Wort“. Es beschreibt den Wein immer dann, wenn er nicht klar und fertig gefiltert ist – also entweder ganz am Anfang (frischer Saft) oder ganz am Ende (Bodensatz). Der Begriff wird als Übersetzung für:

  • Tirosch & Jajin (am Anfang): Hier beschreibt Tryx den Wein im Frühstadium. Es bezeichnet den frisch gepressten, noch trüben und süßen Saft direkt aus der Kelter (z. B. Haggai 1,11).
  • Jajin (im Prozess): Die LXX wählt Tryx auch für das Standardwort Jajin, wenn der Kontext explizit die Kelterung beschreibt (z. B. Jesaja 16,10). Es betont hier das Rohprodukt, das gerade erst aus den Trauben tritt.
  • Schemarim (am Ende): Hier beschreibt Tryx den Wein im Endstadium. Es bezeichnet die Hefe oder den bitteren Bodensatz, der nach der Gärung und Lagerung übrig bleibt (z. B. Psalm 75,9).

Spondē ist im Griechischen ein „Zweck-Wort“. Es bezeichnet nicht die Beschaffenheit des Weins, sondern seine Bestimmung als rituelles Trankopfer. Es ist das Nomen zum neutestamentlichen Verb Spendomai („ausgegossen werden“). Der Begriff wird als Übersetzung verwendet für:

  • Nasek / Nesek (am Altar): Dies ist die direkte hebräische Entsprechung. Spondē bezeichnet den Wein als physisches Opfermittel, das im Tempeldienst über das Brandopfer ausgegossen wurde (z. B. Exodus 29,40).
  • Bestandteil des Ganzopfers: In der LXX markiert der Begriff das Vollendungsstadium eines Opfers. Das Trankopfer war der abschließende Akt der Hingabe, der ein Speis- oder Brandopfer vervollständigte (z. B. Numeri 15,5).
  • Bundeszeichen: Da Trankopfer oft Verträge besiegelten (griechisch spondai = „Bündnis“), steht der Begriff auch für die feierliche Bekräftigung eines Bundes zwischen Gott und seinem Volk (z. B. Jesaja 30,1; Chronik 11,18-19).
Begriff (NT) Griechisch Bedeutung Vorkommen Charakter / Kontext
Oinos οἶνος Wein 33-mal Standardbegriff (Abendmahl, Weinwunder, Warnung).
Oinos palaios οἶνος παλαιός Alter Wein 3-mal Veredelter, gereifter Wein (Lk 5,39).
Gleukos γλεῦκος Süßwein / Jungwein 1-mal In Gärung befindlich, berauschend (Apg 2,13).
Kerasma κέρασμα Mischung 1-mal Zubereiteter, unverdünnter Wein im Gerichtskelch (Offb 14,10).
Sikera σίκερα Starkgetränk 1-mal Nicht-Trauben-Alkohol (Lk 1,15).
Oxos ὄξος Essigwein 6-mal Saurer Wein; Soldatengetränk (Kreuzigung).
Akratos ἄκρατος Unvermischt 1-mal Pur, stark; Symbol für Gericht (Offb 14,10).
Spendomai σπένδομαι ausgegossen werden 2-mal Bild für das Trankopfer (Phil 2,17; 2. Tim 4,6).
Paroinos πάροινος dem Wein ergeben 2-mal Trunksüchtig; Kriterium für Älteste (1. Tim 3,3).
Oinopotēs οἰνοπότης Weinsäufer 2-mal Beleidigung gegen Jesus (Mt 11,19; Lk 7,34).
Gennēma tēs ampelou γέννημα τῆς ἀμπέλου Gewächs d. Weinstocks 3-mal Ritueller Begriff beim Abendmahl (Mt 26,29).

Die im Neuen Testament verwendeten griechischen Wein-Begriffe geben Aufschluss über deren Beschaffenheit und Verwendung. Die folgenden Erklärungen und Statistiken basieren auf theologischen Standardwerken wie dem Wörterbuch von Bauer/Aland, dem Wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) der Deutschen Bibelgesellschaft sowie der Konkordanz zum Nestle-Aland.

KelterAntike

Dies ist der allgemeine griechische Begriff für Wein und das direkte Äquivalent zum hebräischen Jajin. Er wird im Neuen Testament am häufigsten verwendet.

  • Abendmahl-Kontext: Es ist derselbe Begriff, der im neutestamentlichen Umfeld für den Wein beim Abendmahl verwendet wird. Die biblischen Autoren nutzen hier keinen speziellen Begriff für „Saft“, sondern den Begriff, der auch für berauschenden Wein steht.
  • Bedeutung: Oinos ist der Standardbegriff für vergorenen Rebensaft. Er deckt die gesamte Bandbreite von alltäglichem Wein bis hin zu festlichem Wein ab.
  • Biblischer Befund: Dass es sich um ein alkoholisches Getränk handelt, zeigt sich in den expliziten Warnungen, wie in Epheser 5,18: „Und sauft euch nicht voll Wein (Oinos), woraus ein unordentliches Wesen folgt.“
  • Oinos palaios (griechisch οἶνος παλαιός, alter Wein) bezeichnet den über einen längeren Zeitraum gelagerten, gereiften Wein. Er bildet das Qualitätsgegenstück zum Oinos neos (griechisch οἶνος νέος, junger Wein), dessen aktive Gärkraft im Gleichnis von den neuen Weinschläuchen thematisiert wird. Diese Begriffe erscheinen im NT ausschließlich in diesem Gleichnis vor (z. B. in Lukas 5,39)
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Oinos ist mit 33 Erwähnungen das absolute Hauptwort für Wein im NT.

  • Hochzeit zu Kana (Johannes 2),
  • Gleichnis von den Weinschläuchen (Matthäus 9,17),
  • medizinischer Rat an Timotheus (1. Tim 5,23).

Das wird durch den Kontext in der Bibel oft selbst bestätigt:

Trunkenheit: In Eph 5,18 heißt es: „Sauft euch nicht voll Wein (Oinos), woraus ein unordentliches Wesen folgt.“ Man kann sich nicht an Traubensaft betrinken.

Die Diakone: In 1. Tim 3,8 wird gefordert, dass Diakone nicht „vielem Wein (Oinos) ergeben“ sein sollen. Auch hier geht es um die Gefahr des Übermaßes.

Die Hochzeit zu Kana: Der Speisemeister stellt fest, dass der Wein (Oinos), den Jesus gemacht hat, der Beste ist. In der Antike galt ein Wein als gut, wenn er Aroma, Körper und eben auch den entsprechenden Gehalt hatte.

Hinweis zur Septuaginta (Jesaja 65,8): Befürworter der „Zwei-Wein-These“ führen oft Jesaja 65,8 an, wo das griechische Wort Oinos in der Septuaginta (LXX) tatsächlich für den „Saft in der Traube“ verwendet wird.

„Wie wenn man noch Saft [Oinos] in der Traube findet…“

Da in einer intakten Weinbeere kein Alkohol entsteht, ist dies ein unbestreitbarer Beleg dafür, dass der Begriff Oinos auch für das reine Naturprodukt in der Frucht verwendet wurde.

Sprachlich gesehen ist Oinos ein Oberbegriff. Es gibt seltene Fälle, in denen antike Autoren das Wort auch für frisch gepressten Saft direkt an der Kelter verwendeten. Ein Beispiel findet sich in der Septuaginta (Jesaja 65,8), wo von Oinos ‚in der Traube‘ die Rede ist.

Fachsprachlich handelt es sich hierbei um eine Metonymie. Das Endprodukt (Wein) wird bereits für das Rohmaterial verwendet. Das ist vergleichbar mit unserer heutigen Aussage ‚Wir keltern Wein‘, obwohl im Moment des Kelterns zunächst nur Saft aus der Presse fließt. Die Bezeichnung des Ziels (Wein) dient hier zur Identifikation der Frucht, beweist aber keine Existenz eines ‚alkoholfreien Tafelgetränks‘ namens Oinos.

Dieser Begriff bezeichnet den Süßwein oder Most, der aufgrund seines hohen Zuckergehalts besonders geschätzt wurde.

  • Besonderheit: Das Wort kommt im gesamten Neuen Testament nur ein einziges Mal vor (Apostelgeschichte 2,13).
  • Der „Pfingst-Beweis“: Als die Jünger an Pfingsten in Zungen redeten, spotteten einige: „Sie sind voll von süßem Wein (Gleukos)!“ * Logische Schlussfolgerung: Dieser Spott macht nur Sinn, wenn Gleukos berauschen konnte. Niemand würde jemanden, der sich auffällig verhält, beschuldigen, zu viel „alkoholfreien Saft“ getrunken zu haben.
  • Charakteristik: Es handelte sich um einen Wein, der gerade wegen seiner Süße und der daraus resultierenden potenziell hohen Alkoholkonzentration als tückisch und schnell berauschend galt.

Dieser Begriff bedeutet „starkes Getränk“ und ist die griechische Transliteration (Umschrift) des hebräischen Wortes Schekar.

  • Bedeutung: Es umfasst alle berauschenden Getränke, die nicht aus Trauben gewonnen wurden, wie beispielsweise Dattelwein, Honigmet oder Getreidebier.
  • Besonderheit: Das Wort kommt im Neuen Testament nur ein einziges Mal vor (Lukas 1,15).
  • Biblischer Kontext: Der Engel sagt über Johannes den Täufer: „Wein (Oinos) und starkes Getränk (Sikera) wird er nicht trinken.“ Hintergrund: Hier wird Johannes als ein gottgeweihter Nasiräer dargestellt. Dass hier explizit beide Begriffe genannt werden, unterstreicht, dass er sich jeglicher Form von Alkohol enthielt – was im Umkehrschluss bedeutet, dass diese Getränke für den „normalen“ Israeliten zum Alltag gehörten.

Dieser Begriff bedeutet „saurer Wein“ oder „Essig“. Er beschreibt ein Getränk, das am unteren Ende der Qualitätsskala stand.

  • Hintergrund: Er bezeichnet oft die sogenannte Posca – eine Mischung aus Essig oder saurem Wein und Wasser. Dies war der typische, billige Durstlöscher der römischen Soldaten.
  • Beschaffenheit: Es handelte sich im Grunde um Wein, der kurz vor dem Umkippen zu Essig stand oder bereits Essig war. In der Antike war dies jedoch ein legitimes, erfrischendes Alltagsgetränk für die ärmeren Schichten und das Militär.
  • Biblischer Befund: In Matthäus 27,48 wird Jesus am Kreuz ein Schwamm mit Essig (Oxos) gereicht.
  • Symbolik: Neben der praktischen Funktion als Durstlöscher steht es symbolisch für das bittere Leiden und die Erfüllung der Prophetie aus Psalm 69,22: „…und in meinem Durst gaben sie mir Essig zu trinken.“

Dieser Begriff ist ein Schlüssel zum Verständnis der antiken Weinkultur. Er bedeutet wörtlich „unvermischt“ (abgeleitet von a- „un-“ und kerannymi „mischen“).

  • Bedeutung: Es beschreibt Wein, der in seiner puren Form, also ohne die damals übliche Zugabe von Wasser, vorliegt. In der Antike galt der Konsum von Akratos als gefährlich, barbarisch oder eben als Zeichen für extreme Intensität.
  • Besonderheit: Das Wort kommt im gesamten Neuen Testament nur ein einziges Mal vor (Offenbarung 14,10).
  • Biblischer Kontext: Hier wird der „Wein des Grimmes Gottes“ beschrieben, der unvermischt (akratos) in den Kelch seines Zorns eingeschenkt ist.
  • Symbolik: Die Verwendung dieses speziellen Wortes unterstreicht die ungemilderte, volle Stärke des göttlichen Urteils. Während normaler Wein durch Wasser „genießbar“ und „mild“ gemacht wurde, ist dieser Wein pur und damit von maximaler, berauschender Heftigkeit.

Der Begriff Kerasma leitet sich vom griechischen Wort kerannymi („mischen“) ab. In der antiken Welt beschreibt er die Geste des Gastgebers, der den Wein für seine Gäste „trinkfertig“ zubereitet. Damit rückt die Handlung des Einschenkens und Teilens in den Vordergrund. Heute steht das Wort im Griechischen symbolisch für ein Geschenk der Gastfreundschaft – eine kleine Gabe oder Bewirtung, die dem Gast kostenlos gereicht wird.

Das Substantiv Kerasma (κέρασμα) selbst kommt im NT tatsächlich nur ein einziges Mal vor. Das dazugehörige Verb kerannymi (κεράννυμι), welches die Handlung des Mischens oder Einschenkens beschreibt, kommt insgesamt 3-mal vor.

  • Offenbarung 18,6: Hier wird das Wort im Kontext des Gerichts über Babylon verwendet. Es beschreibt den Becher, den sie anderen eingeschenkt hat und der ihr nun selbst „im doppelten Gemisch“ (kerasmati) zurückgegeben wird.
  • Offenbarung 14,10: Hier steht das bereits erwähnte Paradoxon vom „unvermischt eingeschenkten“ Wein des Zorns Gottes (kekerasmenou akratou).
  • Offenbarung 18,6: Im selben Vers wie das Substantiv wird auch das Verb verwendet: „…im Becher, in dem sie eingeschenkt hat (ekerasen), schenkt ihr doppelt ein (kerasate).“

Beide Stellen in denen das Verb Spendomai (ausgießen) im NT auftritt, stammen vom Apostel Paulus, der den Begriff nutzt, um sein eigenes Leben und sein bevorstehendes Ende als ein feierliches Opfer für Gott zu beschreiben:

  • 2. Timotheus 4,6: „Denn ich werde schon als Trankopfer ausgegossen (spendomai), und die Zeit meines Abschieds ist gekommen.“
  • Philipper 2,17: „Wenn ich aber auch als Trankopfer ausgegossen werde (spendomai) […] so freue ich mich.“

Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern para (bei/neben) und oinos (Wein) zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet er „beim Wein sitzend“ oder „dem Wein ergeben“. Im antiken Sprachgebrauch beschrieb Paroinos jemanden, der zu viel Zeit beim Wein verbringt und dadurch streitsüchtig, ausfällig oder maßlos wird. Es meint nicht nur den Konsum, sondern das dadurch verursachte Fehlverhalten (Trunkenboldigkeit).

Das Wort kommt im Neuen Testament insgesamt 2-mal vor, jeweils in den Anforderungskatalogen für Gemeindeberufe:

  • Titus 1,7: Auch hier wird betont, dass ein Ältester als Haushalter Gottes „nicht dem Wein ergeben“ (me paroinon) sein darf.
  • 1. Timotheus 3,3: Ein Aufseher (Bischof) soll „kein Säufer“ (me paroinon) sein.

Der Begriff setzt sich aus oinos (Wein) und potēs (Trinker) zusammen und bedeutet wörtlich „Weintrinker“. Es ist eine Charakterisierung für jemanden, dessen Lebensstil durch den Konsum von Wein geprägt ist. Zur Zeit Jesu wurde der Begriff als Schimpfwort benutzt, um jemanden moralisch zu diskreditieren.

Das Wort kommt im NT insgesamt 2-mal vor, und zwar in den Parallelstellen, in denen Jesus die Vorwürfe seiner Gegner zitiert:

  • Lukas 7,34: „Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer (oinopotēs)…“
  • Matthäus 11,19: „Siehe, wie ist dieser Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer (oinopotēs), der Zöllner und Sünder Freund!“

Dieser Ausdruck ist kein einzelnes Wort, sondern eine feststehende Redewendung, die Jesus beim letzten Abendmahl verwendet (Matthäus 26,29).

  • Liturgischer Hintergrund: Es ist die griechische Entsprechung für den hebräischen Segen Peri ha-Gefen. Jesus nutzt hier die sakrale Sprache des jüdischen Passahfestes.
  • Jüdische Tradition: In der jüdischen Tradition wurde dieser Segen ausschließlich über vergorenem Wein gesprochen. Unvergorener Traubensaft galt im rituellen Sinne nicht als das „Gewächs“, das diesen speziellen Segen erforderte.

Die Mischna (die Kodifizierung mündlicher Traditionen ab ca. 200 n. Chr.) gibt uns wertvolle Einblicke in die Praxis zur Zeit Jesu. Im Traktat Berachot (Segenssprüche) wird präzise unterschieden:

„Über ungemischtem Wein spricht man den Segen: ‚Gepriesen seist du … für die Frucht des Baumes‘; erst wenn Wasser hinzugefügt wurde, spricht man den Segen: ‚… für die Frucht des Weinstocks‘.“ (Berachot 6,1)

Das Getränk im Kelch war unverkennbar Wein, der nach jüdischer Sitte mit Wasser gemischt worden war, um die ideale Trinkstärke für den Segen zu erreichen.

Die Logik der Rabbiner: In der Diskussion ging es darum, ob das Getränk die nötige Qualität besitzt, um den hohen Segen (ha-Gefen) zu erhalten. War der Wein zu stark (unverdünnt), galt er als „Rohprodukt“. War er zu stark verdünnt, wurde er zu „Wasser mit Geschmack“ und verlor den Anspruch auf den Weinsegen.

Schlussfolgerung für das Abendmahl: Dass Jesus vom „Gewächs des Weinstocks“ spricht, beweist zweierlei:

  • Er hielt sich an die rituelle Ordnung des Passahmahls.
  • Das Getränk im Kelch war unverkennbar Wein, der nach jüdischer Sitte mit Wasser gemischt worden war, um die ideale Trinkstärke für den Segen zu erreichen.

Das Neue Testament nutzt neben den Substantiven für Wein auch spezifische Verben und Adjektive, um den Umgang des Menschen mit dem Wein zu beschreiben. Diese Wörter beschreiben nicht das Getränk, sondern den Zustand des Menschen.

  • Nēphalios (νηφάλιος): Bedeutet „nüchtern“, „wachsam“ oder „besonnen“. Ursprünglich bezeichnete es jemanden, der keinen Wein getrunken hatte, entwickelte sich aber im NT zu einem Begriff für geistige Klarheit und Selbstbeherrschung.
  • Methuō (μεθύω): Bedeutet „betrunken sein“ oder „übermäßig trinken“. Es beschreibt den Zustand des Berauschtseins.

Dass heute in vielen Gemeinden Traubensaft gereicht wird, hat weniger mit historischer Korrektheit als vielmehr mit dem seelsorglichen Aspekt der Pastoraltheologie zu tun. In einer inklusiven Gemeinschaft steht der Wunsch im Vordergrund, niemanden vom Abendmahl auszuschließen.

So ermöglicht der Verzicht auf Alkohol Kindern und Jugendlichen die volle Teilnahme und bietet gleichzeitig einen wichtigen Schutzraum für Menschen mit Suchterkrankungen, insbesondere für trockene Alkoholiker, die vor einem Rückfall bewahrt werden sollen. Zudem können so auch gesundheitliche Gründe berücksichtigt werden, um das Abendmahl für jeden Menschen ohne Bedenken zugänglich zu machen.

Abendmahl
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